Ingrid ist fünfzehn Jahre alt. Sie besucht die zehnte Klasse einer Mädchenoberschule. Ihre Mutter, mit der sie zusammenlebt, ist Photographin, geschieden und hat noch für Ingrids drei jüngere Geschwister zu sorgen.

Ihre Klassenkameradin Helga ist die einzige Tochter eines angesehenen Arztes. Ihre Mutter kann sich ganz dem Hause und der Erziehung ihrer beiden Kinder widmen.

Alle Mädchen der zehnten Klasse müssen sich entscheiden, ob sie mit der Reifeprüfung abgehen oder das Abitur machen wollen.

Helgas Mutter wäre es lieber, wenn ihre einzige Tochter die Logarithmentafel zuklappen und einen Haushaltskursus durchmachen oder ihrem Vater in der Praxis helfen würde. Sie wünscht ohnehin, daß Helga später einmal ihr Glück in der Ehe findet und sich darauf vorbereitet

Aber Helga ist nicht dieser Ansicht. Sie will Medizin studieren wie ihr Vater, selbständig werden, sie möchte nicht von einem Manne abhängig sein. –

Ingrid denkt darüber anders. Obwohl sie Freude an der Schule hat, möchte sie sich nicht darauf festlegen lassen, noch mindestens acht Jahre in der Ausbildung zu stehen. Sie möchte irgendeinen leicht erlernbaren Beruf ergreifen, von dem ihr der Abschied nicht schwer fällt, wenn sich die Gelegenheit zum Heiraten bietet.

Aber ihre Mutter besteht darauf, daß sie ihr Abitur „baut“ und einen akademischen Beruf wählt, der ihr eine selbständige und gesellschaftlich angesehene Existenz sichert.