Der Schlüssel zur Situation in Persien

Von J. B. Modi

Iran treten die kommunistischen Tudeh-Anhänger trotz des Verbots ihrer Partei mit Demonstrationen und Forderungen immer stärker in die Öffentlichkeit. Der persischen Polizei sind Geheimbefehle in die Hände gefallen, aus denen hervorgeht, daß die Kommunisten einen allgemeinen Aufstand mit Hilfe der Sowjetrussen entfachen wollen. Unser Mitarbeiter, der indische Journalist J. B. Modi, schildert in folgendem die Kräfte, die in Persien miteinander im innerpolitischen Streit liegen.

Teheran, Anfang November

Persien kennt nur zwei Klassen: die Reichen und die Armen, Bis vor ganz kurzem war die politische Bühne beherrscht von den Reichen. Diese Leute, es handelt sich um etwa 200 Familien, sind vollkommen verwestlicht und haben keinen Kontakt mit den Massen. Ihr politisches Interesse kreist stärker um Persönlichkeiten als um Politik. Sie dienten gleich gehorsam Reza Schah’s Diktatur und der Anglo Iranian Oil Company. – Seit dem Kriege hatten einige von ihnen das Gefühl, daß Persien sich den anderen Nationen – angleichen und fortschrittlicher werden müsse. Ein Sieben-Jahres-Plan wurde vorbereitet, der vor allem die Kultivierung der großen Landflächen anstrebte. Die Landwirtschaft wurde bisher auf sehr primitive Weise betrieben. Die Bodenschätze des Landes wurden nicht erschlossen. Wenn es gelänge, das Land mit Hilfe fremden Kapitals zu entwickeln, dann wäre in der Tat die Möglichkeit für jedermann gegeben, glücklich zu leben. Die Planer hatten gehofft, daß die Ölgesellschaft das Anfangskapital hierfür zur Verfügung stellen würde. Als dies nicht erfolgte, begann die Agitation um höhere Pachtsätze.

Die wirkliche Politik aber wurde an einer ganz anderen Stelle gemacht, nämlich in den Moscheen und in den Elendsvierteln von Teheran. Die des Lesens und Schreibens unkundigen Massen beziehen ihre politischen Informationen jeden Freitag aus der Predigt des Mullah. In seiner Moschee hat auch der Mullah Kassani, die stärkste Persönlichkeit innerhalb der persischen Politik, Haß gegen die Engländer gesät. Kassani ist ein ehrgeiziger Mann, der die Macht liebt und alle Fremden, besonders aber die Briten, die ihn früher einmal eingesperrt haben, haßt. Sein politischer Horizont ist außerordentlich beschränkt. Er glaubt, daß alles von selbst gut werden wird, wenn die Fremden erst einmal Persien verlassen haben werden.

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