Von 135 Hotels ersten Ranges in Deutschland, die bevorzugt für den Ausländerverkehr in Frage kommen, sind 26 – und gewiß nicht die schlechtesten – immer noch beschlagnahmt. Die Fremdenverkehrszentren, wie Heidelberg, Wiesbaden, Bad Nauheim, haben in diesem Punkt die meisten Sorgen. Die Hotellerie soll nun unsichtbaren Export betreiben. So wünscht es das Bundeswirtschaftsministerium aus Erwägungen der Handelsbilanz, und so wünschen es die Vertreter unserer Gläubigernationen auf den Konferenzen zur Regelung der deutschen Vorkriegsschulden. Alle haben recht. Im Fremdenverkehr liegt die Möglichkeit, Devisen zu verdienen. Die Sommersaison 1951 brachte schon über 200 Mill. DM in Devisen, womit erst 80 v. H. des Ausländerverkehrs von 1937 erreicht sind, während die Industrie im allgemeinen bereits weit über dem ehemaligen Exportland (nominell betrachtet) liegt. Wem also schon mehr Fremdenverkehr, dann muß man aber auch der Hotellerie das geben, was ihr gebührt, nämlich ihre Betten, um insbesondere in der Sommersaison, die zwei Drittel der Belebungen ausmacht, und hier vornehmlich in den Spitzenmonaten Juli und August, Fremde nicht abweisen zu müssen. Was liegt denn näher, als darauf zu dringen, daß die beschlagnahmten Hotels freigegeben werden? Nur: Die Sache hat einen Pferdefuß. Freigegebene Hotels sind nicht in dem Zustand, daß sie internationalen Service bieten können. Wie wäre es, wenn der Bundesfinanzminister zumindest für diese Devisenbringer die Steuererleichterungen gibt, wie er sie der Wirtschaft im allgemeinen, wenn sie exportiert, auch zugesteht?

Dies Problem kam auf der Tagung der Interessengemeinschaft Internationaler Hotels in Hamburg zur Sprache. Aber noch andere Themen standen zur Debatte: Die Klagen aus dem „disziplinierteren“ Ausland häufen-sich, der Kraftverkehr in Deutschland, insbesondere der Fernlastverkehr, sei so undiszipliniert, daß es sich nicht mehr lohne, als „Herrenfahrer“ durch Deutschland zu reisen. Ferner wurde beanstandet, daß die Grenzstraßen den Touristen wenig Freude bieten – daß die Ost-West-Bahnanschlüsse weitaus schlechter sind, als in der Nord-Süd-Richtung –, daß der Visumzwang mit seinen unliebsamen bürokratischen Anhängseln den Verkehr um Deutschland leite –, daß Devisen nur bei der Bank, nicht schon bei der Grenzstelle eingewechselt werden können. Dies alles sind Kleinigkeiten, Aber wenn man jetzt von der Förderung des unsichtbaren Exports spricht, dann sind auch Kleinigkeiten wichtig. Und dann ist noch zu bedenken, daß der Ausländerverkehr noch nicht die frühere „Struktur“ des Kur- und Erholungsaufenthalts erreicht hat, daß vielmehr der Geschäftsverkehr überwiegt. Eine Zahl? Vor dem Krieg übernachteten Ausländer in Deutschland nur zu 10 v. H. in Großstädten, heute tun sie es zu 49 v. H. ... und bleiben nur zVei Tage. Diese Dinge sollte man bedenken, wenn man einen Dollar-Drive der Hotellerie wünscht.

W –n.