Die diesjährige Sommersaison hat für den deut-Fremdenverkehr nicht nur die erhoffte Zunahme des Auslandsbesuches gebracht, sondern der Umfang dieser Zunahme hat sogar die Erwartungen weit übertroffen. In Baden-Baden, das wieder zu einem Mittelpunkt des internationalen Fremdenverkehrs geworden ist, stieg der Anteil der Auslandsgäste von etwa 20 v. H. im Sommer 1950 auf 40 v. H. im Sommer 1951, wobei sich der Gesamtverkehr etwa verdoppelte. Die führenden Häuser haben in der Hauptsaison zu 70 v. H. Ausländergäste beherbergt. Dabei waren alle Nationen vertreten; erstmalig fanden sich auch Gäste aus Südamerika auf Grund eines Werbefeldzuges ein. Ganz besonders lebhaft war der Verkehr aus den nordischen Staaten nach Deutschland, aber noch stärker durch Deutschland nach West- und Südeuropa? Der August brachte allein in Flensburg 105 000 Grenzübergangs gegenüber 70 000 im gleichen Monat des Vorjahres, nur bei der Bundesbahn. Die deutsche Schlafwagen-Gesellschaft beförderte in diesem Sommer allein in Sonderschlafwagen 50 000 nordische Gäste gegenüber 35 000 im Vorjahre. Die Nachfrage war wesentlich stärker und konnte mangels Schlafwagen nicht ganz befriedigt werden. Auch in den Regel-Schlafwagen der DSG hat der Anteil der ausländischen Gäste erheblich zugenommen.

Auf der Jahrestagung des Bundes Deutscher Verkehrsverbände, die kürzlich in Bremen stattfand, erfuhr man, daß sich die Zahl der Fremdenmeldungen in den Monaten April bis Juli von 3,7 Mill. im Jahr 5,2 Millionen indiesem Jahr und der Prozentsatz der Ausländer von 11 auf 12,8 v. H. erhöhte. Im gleichen Zeitraum dieses Jahres wurden 17,6 Mill. Fremdenübernachtungen (hiervon 7,7 v. H. Ausländer) gezählt. In der Vergleichszeit des Vorjahres waren es nur 12,8 Mill. (6,8 v. H. aus dem Ausland).

Man darf diese Fortschritte nicht nur an der erfreulichen Deviseneinnahme messen. Vielmehr sind sie ein Zeichen des verstärkten europäischen Verkehrs und nicht zuletzt eines wachsenden Ansehens Deutschlands. Wir trafen in einem der Sonder-Schlafwagenzüge die Leiterin einer schwedischen Reisegesellschaft. Sie war während der Besatzungszeit in Holland, deswegen den Deutschen gram, und hatte zunächst die Führung von Reisen nach Deutschland abgelehnt. Bei ihren Fahrten durch Deutschland änderte sie aber ihre Auffassung gründlich; sie hofft, im nächsten Jahre auch Reisen durch Deutschland führen zu können. -m.