Der hohe Thron, auf dem „König Schrott“ die letzten Monate gesessen hat, ist erheblich demoliert worden. Seit mehr als einem Jahr fühlen sich die alten und ehrbaren deutschen ’Schrotthandelsfirmen in eine Atmosphäre gedrängt, die ihrem Ruf schweren Schaden zufügt. Spekulation und gewissenlose Profitgier haben die Grundlagen der so schwer erkämpften Stahlquote erschüttert und sind dabei, in diesem Winter eine ernsthafte Stahlkrisis heraufzubeschwören. Die jüngsten Verhandlungen im Bundeswirtschaftsministerium haben mit erschreckender Deutlichkeit die bedrohliche Lage dargelegt: mindestens 180 000 t Schrott sind gesetzeswidrig gehortet worden. „Man“ spekulierte mit dieser künstlichen Verknappung auf weitere Preiserhöhungen.

Diese 180 000 t stellen nicht nur einen Wert von etwa 16 bis 18 Mill. DM verschwiegener Vermögen dar, sondern bei einer neuerlichen Preiserhöhung, wie sie vom Handel jetzt mit 3 DM je t gefordert worden war, auch noch einen stillen Nebengewinn von über einer halben Million. Für die Eisenwirtschaftslage aber bedeutet das eine Fehlmenge von 5 bis 6 Monaten, da die Unterversorgung der Hütten zur Zeit etwa 20 000 bis 30 000 t im Monat beträgt...

Gegen diese wirtschaftsgefährdende Spekulation haben nun Eisenerzeuger, Eisenverbraucher und Bundeswirtschaftsministerium drastische Maßnahmen ergriffen. Endlich wird eine zentrale Einkauf-Gesellschaft gebildet, die praktisch marktordnende Funktionen hat. Sie wird nur noch mit einem bewährten Kreis von Handelsfirmen ihre Geschäfte tätigen und bleibt alleiniger Weiterverkäufer an die schrottverbrauchende eisenschaffende Industrie. Jedes Direktgeschäft ist verböten. Hütten, Bundesbahn, Bergbau und Eisenverarbeiter, die zugleich Lieferanten für Neuschrott sind, haben sich dieser Aktion zur Verfügung gestellt. Dabei ist interessant, daß die Neuschrott-Lieferanten, also die verarbeitende Industrie, sogar eine Senkung des Schrottpreises anboten. Die Wirtschaft hat eingesehen, daß der innerdeutsche Schrottmarkt angesichts der nur noch geringen Exportmengen völlig unabhängig vom Weltmarkt seinen Preis festlegen könnte und daß eine Spekulation mit dem Weltmarktpreis unangebracht wäre. – Alle an der Einigung beteiligten Stellen glauben, daß die geplatzte Preisspekulation und die Aussicht auf Schrottpreissenkung nunmehr endlich die gehorteten Mengen mobilisieren und daß damit die Eisenerzeugung zu ihrem Schrott kommt. Rlt.