Es ist bekannt, daß die sowjetzonalen Politiker sowie ihre Karlshorster Vorgesetzten dem Interzonenhandel einen wichtigen Platz in ihren Aktionen zugewiesen haben, und es ist gleichfalls kein Geheimnis, daß es unter ihren Wirtschaftsbeauftragten Männer gibt, die die politischen Eingriffe ihrer Herren in den Warenaustausch zwischen Ost- und Westdeutschland nur sehr mißvergnügt betrachten. Denn sie wissen zu genau, wie stark dieser Einfluß dem Interzonenhandel bereits geschadet hat.

Dennoch hat es den Anschein, als wenn man in Ostberlin nunmehr die Politik den wirtschaftlichen Notwendigkeiten vorangestellt hat. Das trifft nicht: nur, im großen gesehen, auf das leidige Transportproblem Berlin–Bundesrepublik zu, sondern neuerdings auch für ein ganz anderes Gebiet Westdeutsche Kaufleute, die sich trotz aller Schwierigkeiten noch immer im Interzonenhandel betätigen, berichten zunehmend, daß man von ihnen nicht nur ihre Waren, sondern auch ein „gesamt deutsches“ Bekenntnis zu – erwerben wünscht. Solange sich die politische Einflußnahme: durch den ostdeutschen Partner lediglich auf die Beilage von Propagandaschriften in Geschäftsbriefen beschränkte, war die Sache ziemlich harmlos. Man warf sie stillschweigend in den Papierkorb. Jetzt aber wird es ernster! Die neue Methode ist eine Erpressung, weil man drüben natürlich genau weiß, in welchem Maße einzelne westdeutsche Betriebe auf die ost- und mitteldeutschen Absatzmärkte angewiesen sind.

Helfen können hier weder Behörden, Regie? rung noch die Hohen Kommissare. Nur wenn die Sowjetzonenvertreter auf die einhellige Zurückweisung der westdeutschen Partnerschaft stoßen, kann die neue gefährliche Klippe überwunden, werden. Es wird wohl niemand im Ernst glauben-, daß die kleinen politischen Gefälligkeiten, um die der Gesprächspartner in Ostberlin, Dresden- oder Weimar bittet, damit dieser bei seinen politischen Herren etwas „vorzuzeigen“ hat, mehr oder weniger ungelesen in den Aktenschränken der Planungsbürokratie verschwinden. Diese Schecks dürften ziemlich schnell präsentiert werden, und dann wird es sich zeigen, daß ihr Aussteller ein Opfer seiner eigenen Geschäftstüchtigkeit geworden ist. –ndt.