Von Paul Bourdin

„Collier’s“ Magazin, eine große amerikanische Wochenzeitschrift, hat soeben ein Sonderheft herausgebracht, in dem ein zukünftiger dritter Weltkrieg und sein Nachspiel geschildert werden. An diesem Heft haben prominente Historiker und Schriftsteller mitgearbeitet.

Wieder beginnt es auf dem Balkan und wieder mit einem Attentat. Diesmal auf Tito. – Übrigens soll sich der Diktator in den letzten Jahren sehr gebessert haben. – Bei einem Festakt in Belgrad will ein kleines Bauernmädchen, Maria Serdic, dem Marschall einen Strauß überreichen. Diktatoren sind so kinderlieb. Da ertönt eine fürchterliche Explosion, Die kleine Maria liegt in ihrem Blut, die Händchen krampfhaft um die Blumen gepreßt. Tito ist unversehrt. Seine Geheimpolizei trifft keine Schuld. Die Sprengkörper waren in Zigarren verborgen.

So fängt das an. Dann bricht ein Aufstand aus, die benachbarten Satelliten marschieren ein, gefolgt von der Roten Armee. Washington fordert in einem Ultimatum die Sowjetunion auf, ihre Truppen zurückzuziehen. Moskau weigert sich, „ein schrecklicher Rechenfehler des Kremls“. Amerika, gestützt auf die Mehrheit der UNO und die Neutralen, erklärt den Krieg und belegt die strategischen Zentren des Feindes mit Atombomben. Selbstverständlich werden nur militärische Ziele bombardiert. Der dritte Weltkrieg ist ausgebrochen, „der überflüssigste, sinnloseste und tödlichste“ Krieg. Es ist „genau 1 Uhr 58 Minuten p.m.G.M.T. Sonnabend, den 10. Mai 1952“. (Noch bleibt uns also ein halbes Jahr.)

Im ersten Kriegsjahr müssen sich die Ameri-Iraner an allen Fronten zurückziehen. Die Rote Armee stößt durch die norddeutsche Tiefebene vor, sowjetische Selbstmörderkommandos dringen in Alaska ein, russische Flugzeuge greifen. London, New York, Detroit, Philadelphia, Chikago mit Atombomben an. Es gibt nur einen Lichtblick: Bei einem Erkundungsflug über der Saar wird eine sowjetische Maschine abgeschossen, und General Stalin, der Sohn des Marschalls, fällt den GIs. in die Hände, taktvollerweise lebendig. Warum muß der General auch selbst fliegen!

Im nächsten Jahr setzen die Sowjets gegen die amerikanischen Zentren sogar V-Geschosse ein, die sie von U-Booten abschießen. Ein Terrorluftangriff auf Washington „zerstört das Herz der City“. Auf den rauchenden Trümmern der Großstädte verlangt die überlebende Bevölkerung Vergeltung. Da beginnt sich das Blatt zu wenden. Die amerikanischen Flieger gewinnen die Luftüberlegenheit. Am 22. Juli wird Moskau mit Atombomben angegriffen, nur zur Vergeltung natürlich. Selbstverständlich sind seine Bewohner vorher tagelang über alle Sender aufgefordert worden, die Stadt zu verlassen, selbstverständlich sind sie von den sowjetischen Behörden daran gehindert worden. Fallschirmtruppen der UNO werden im Ural abgesetzt und vernichten die sowjetischen Atombombenvorräte. Partisanenkämpfe entwickeln sich hinter den russischen Linien.

1954 verschwindet Stalin und wird durch Beria, den Chef der Geheimen Staatspolizei, ersetzt. Die Aufstände im Innern Rußlands dehnen sich aus, die Rote Armee, irgendwo in Westeuropa durch amerikanische Atomartillerie zum Stehen gebracht, beginnt zu weichen. Warschau, die Ukraine, die Krim werden von den UNO-Truppen befreit. Gleichzeitig, wird mit einer riesigen Landeoperation eine zweite Front bei Wladiwostok eröffnet.