Einen anschaulichen Überblick über den Stahlmangel bei der Deutschen Bundesbahn – man könnte ihn wohl als „erschreckend“ bezeichnen – vermittelte Generaldir. Dr. Ing. e. h. Helberg dieser Tage einem Kreis führender Vertreter der Stahlindustrie und der Bundesministerien für Wirtschaft und Verkehr im Eisenbahnausbesserungswerk Schwerte. Er sagte, daß die Lagerbestände der Bahn erschöpft seien und auf einer Reihe von Bedarfsgebieten bereits eine äußerst kritische Lage bestehe. Zur Erhaltung der Substanz wären Stahllieferungen in Höhe von 0,86 Mill. t erforderlich. In den Jahren seit 1946 standen aber diesem Normalbedarf wesentlich niedrigere Stahllieferungen gegenüber, und auch 1952 wird die Bundesbahn wegen fehlender Mittel nur 480 000 t Stahl kaufen können. Das sind 56 v. H. des normalen Bedarfs. Diese geringe Menge hält die weitere kritische Entwicklung kaum auf. Von den 480 000 t will man 175 000 t für die Reparatur von Fahrzeugen verwenden. 120 000 t sollen zum Bau neuer Güter- und Personenwagen dienen, 35 000 t sind für Bauten und Signalanlagen bestimmt. 150 000 t aber müssen für den Oberbau angesetzt werden, denn der Zustand der Gleise ist in allen Teilen des Bundesgebietes infolge der geringen Ersatzbeschaffungen seit 1935 recht mangelhaft und verschlechtert sich laufend. Wie kritisch gerade die Situation beim Oberbau ist, zeigt unser Schaubild. Die Zahl der Langsamfahrstellen hat sich innerhalb des letzten Jahres verdoppelt und Mich ihre Länge ist bedrohlich angewachsen. Auf 160 km Hauptbahnstrecke müssen alle Züge Ihre Geschwindigkeit wegen schlechter Gleislage auf 30 km/h herabsetzen, und auf 289 km Streckenlänge muß die Höchstgeschwindigkeit auf 50 km/h ermäßigt werden. Der Ernst der Situation, in der sich die Bundesbahn seit Jahren befindet, geht auch aus einer Erklärung des Verkehrsausschusses des Bundesverbandes der deutschen Industrie hervor. Er setzt sich nachdrücklich für die Beschaffung von ausreichenden Krediten ein, damit die Bundesbahn in der Lage ist, die im Kriege und in den Nachkriegsjahren unterbliebenen Erneuerungen endlich nachzuholen. Der Verkehrsausschuß sprach in diesem Zusammenhang die Hoffnung auf Bereitstellung von ECA-Krediten aus, mit denen zumindest ein Teil des großen Bedarfs befriedigt werden könnte. Willy Wenzke