Von W. Fredericia

Auf dem Karlsruher Parteitag kündigte Dr. Adenauer kürzlich an, daß die CDU die nächsten Bundestagswahlen gewinnen werde. Ein paar Tage später meinte Dr. Schumacher in einem Gespräch, daß die SPD, falls jetzt zum Bundestag gewählt würde, auf 35 v. H. der Stimmen zu rechnen hätte. Beide Erklärungen mögen als Ausdruck parteipolitischer Hoffnungen berechtigt sein, in den konkreten Zahlen, die man aus den Ergebnissen der Landtagswahlen des letzten Jahres ablesen kann, finden sie aber keine Bestätigung. Seit dem 14. August 1949, dem Tag der Bundestagswahlen, haben neun von den elf Bundesländern, das heißt alle mit Ausnahme von Südbaden und Südwürttemberg, ihre Landtage gewählt. Diese Ergebnisse geben die einzigen Hinweise, aus denen – ernsthaft auf die Veränderung der Volksstimmung seit dem August 1949 geschlossen werden kann. Ihre Untersuchung, die unter dem Vorbehalt steht, daß diese Zahlen nicht gleichzeitig, sondern zwischen November 1950 und Oktober 1951 – mit Ausnahme von Hamburg, das schon im Oktober 1949 gewählt hat – stattgefunden haben, gibt eine Möglichkeit des Vergleichs. Er kommt in der nachfolgenden Tabelle, in der nur die größeren Parteien berücksichtigt sind, zum Ausdruck.

9 Landtagswahlen % Bundestagswahl %

Abgegebene Stimmen 21 980 000 100,0 23 455 000 100,0

SPD 7 035 000 32,0 6 720 000 28,7

CDU 5 670 000 25,8 6 815 000 29,1

FDP 2 445 000 11,1 2 665 000 11,4