Armee ohne Pathos“ heißt ein Buch, das dieser Tage im Köllen-Verlag, Bonn, erschienen ist. Der Verfasser, Adelbert Weinstein, half einst als junger Generalstabsoffizier eine deutsche Armee in Zweiten Weltkrieg führen und hilft heute, als junger Journalist, eine deutsche Tageszeitung redigieren.

Soll die Bundesrepublik bewaffnet werden? Diese Frage wird das deutsche Volk über kurz oder lang beantworten müssen. Weinstein will – wie es im Vorwort heißt – darüber nur eine Diskussion anregen. In Wahrheit aber beantwortet er die Frage. Er sagt nach 158 Seiten sorgfältig abgewogener Argumente: Ja.

Niemand, angefangen von den Neutralisten über die Pazifisten bis zu den Nationalisten, wird dem Autor vorwerfen können, er habe einen der üblichen Einwände vergessen. Alle heißen Eisen, gleich ob es sich um die „Kriegsverbrecher“, die deutsche Halbsouveränität oder um den verführerischen Traum von der Neutralität handelt, werden von Weinstein angepackt. Und er hat sich dabei nicht die Finger verbrannt.

Der Verfasser hält sich dabei nicht, wie viele der von ihm befragten ehemaligen Offiziere, mit Überlegungen über neue und alte Orden und Uniformen auf. Er räumt dafür mit einer Reihe anachronistischer Vorurteile umso gründlicher auf. Das Gespenst von Tauroggen wird von ihm endgültig in die Mottenkiste verbannt: „Denn in Wahrheit ist die geschichtliche Lage der Bundesrepublik derjenigen Preußens in den Jahren 1807 und 1813 geradezu entgegengesetzt. Damals hieß der Usurpator Napoleon und das Bündnis des zerstückelten Preußens mit Rußland war nicht in erster Linie eine Angelegenheit der Kabinetts- und Fürstenpolitik, sondern der äußere Ausdruck für den Willen der Preußen und Russen zur nationalen Freiheit. Heute heißt die Drohung Stalin, und der Kampf für die Freiheit der Völker, ja mehr noch um die Freiheit des Individuums ist die Ursache, die die Deutschen auf da Seite des Westens treten läßt. Die Fronten haben gewechselt.“

Die: ist Weinsteins Fazit: Nicht Restauration der alten Armee, keine Kopie der Wehrmacht, sondern eine neue Armee, in der das Kommando „Stillgestanden“ weniger zu hören ist als das „Ohne Tritt marsch“ – eine Armee ohne Pathos.