Man sage nichts gegen die derzeitige Handhabung des deutschen Auslandreiseverkehrs. Wenn er auch noch nicht als Ideal bezeichnet werden kann, so haben sich doch, seit sich die Alliierten mit ihren Travel Boards nicht mehr um jeden einzelnen deutschen Auslandsreisenden persönlich kümmern, die Verhältnisse erheblich gebessert. Man bekommt sehr schnell seinen Paß und, nach kürzerer oder längerer Wartezeit, das Visum des Landes, das man geschäftlich oder Privat aufzusuchen gedenkt.

Anfang August das Einreisevisum für einen Aufenthalt von vier Wochen an deutsche Besucher kostenlos und ohne alle Formalitäten auf den Grenzübergangsstellen erteilt. Die Österreicher haben mit Recht erwarten können, daß ihren Reisenden mindestens einige Wochen später das gleiche Entgegenkommen gewährt wird. Davon kann zu unserer Schande vieler keine Rede sein. Dabei wollen die Österreicher sogar noch weitergehen: Es bestehen Bestrebungen, zwischen Westdeutschland und Österreich die völlige Abschaffung des Sichtvermerks einzuführen, wie dies im österreichischen Reiseverkehr bereits mit Italien, der Schweiz, den Niederlanden, Belgien und Luxemburg der Fall ist. Hoffentlich hat die österreichische Initiative recht bald Erfolg, zumal auch in Schweden die Bestrebungen, im Verkehr mit der Bundesrepublik den Visumzwang aufzuheben, sich immer stärker durchsetzen.

Bisher allerdings sieht der deutsche Gesetzentwurf über das Paßwesen sogar einen Sichtvermerkzwang bei der Ausreise von Deutschen ins Ausland vor. Nun aber hat der Industrie- und Handels tag den Bundestagsausschuß für Angelegenheiten der inneren Verwaltung gebeten, den Sichtvermerkszwang abzulehnen. ww.