Darmstadt, im November

Wie bei so vielen Modernisierungen antiker Stoffe spielt auch in Ernst Wilhelm Eschmanns Schauspiel „Alkestis“, das Gustav Rudolf Sellner im Landestheater in Darmstadt uraufführte, der Tod eine zentrale Rolle. Aber diesmal erscheint er nicht als das existentialistische Nihil. Dieser Tod, den Herakles zu besiegen kommt, um Alkestis dem Leben zurückzugeben, ist ein Menetekel, das die Menschen selbst an die Wand gemalt haben. „Ihr Menschen habt mich geschaffen!“ ruft er aus, „Ihr nährt mich, ihr macht mich mächtig, ihr gebt mir täglich neue Nahrung.“ Und als Herakles, der Tatmensch, der vitale, robuste, gutmütige Held schwerer Fährnisse, dem Tod erklärt: „Ich verstehe dich nicht“ – da antwortet ihm dieser: „Daß du mich nicht verstehst, das ist deine Stärke.“ (Vgl. unsere Besprechung der Buchausgabe in Nr. 8 vom 22. Februar 1951.)

Gustav Rudolf Sellner bot eine großangelegte, sprachlich präzis durchgearbeitete Inszenierung. Allerdings schien die stark ausgeprägte Vorliebe Sellners für Posen und bildhafte Gruppierungen dem Stoff nicht immer angemessen. Eine einfache, auf die innere Aussage gerichtete Gestaltung hätte noch intensiver gewirkt.

Ein illustres Publikum aus ganz Westdeutschland war geteilter Meinung über das Stück, zollte jedoch trotzdem Autor, Regisseur und Schauspielern reichlichen Beifall.

Heinz Friedrich