Von Ernst Krüger

Im Pentagon zu Washington hat man Sorgen,. Sorgen über den Luftkrieg in Korea. Die monatelange Luftherrschaft der Alliierten auf dem asiatischen Kriegsschauplatz hatte das Kommando der Bomberverbände Fernost der US-Luftstreitkräfte leichtsinnig gemacht. Die Einsätze wurden stets nach erprobtem Verfahren gegen die gleichen Ziele geflogen. Amerikas Luftkrieg fand nach Schema „F“ statt. Die Kommunisten haben inzwischen diese Schwäche des Gegners klar erkannt. Und heute kann von einer absoluten Luftüberlegenheit der UNO-Streitkräfte nicht mehr die Rede sein.

Die Einsätze, die im ersten Kriegsjahr nahezu risikolos waren, stießen im vergangenen Monat auf wachsenden Widerstand durch Flak und Jagdflugzeuge. Der amerikanische Heeresbericht vom 3. Oktober meldete zum erstenmal heftige Luftkämpfe in der Nähe des Yalu-Flusses, in die insgesamt 193 Düsenjäger verwickelt waren. Von da an wiederholten sich solche Kämpfe, deren Schwerpunkt sich allmählich nach Süden auf die Linie Sinuiju-Yalu-Fluß – Chongiu – Sinanju, verlagerte, nahezu täglich, Die aus diesem Raum von Angriffsflügen zurückkehrenden amerikanischen Flieger berichteten von schweren Luftkämpfen gegen die mit erheblicher Übermacht angreifenden gleichwertigen Düsenjäger vom russischen Typ „Mig-15“. Bald hieß die Linie Sinuiju-Sinanju bei den Amerikanern nur noch die „Mig-Allee“.

Inzwischen haben nun die Luftkämpfe in der „Mag-Allee“ an Heftigkeit zugenommen. Die in immer größeren Verbänden angreifenden Migs stießen auch weiter nach Süden bis Pyongyang vor. Es kam zu Kämpfen, in die bis zu 250 Düsenjäger verwickelt waren! Am 29. Oktober gab der amtliche Kriegsbericht der US-Luftwaffe bekannt, daß „der aufreibende Kampf um die Luftherrschaft in Nordwest-Korea ohne Unterbrechung bereits sieben Tage dauere“. Einen Ausschnitt aus diesem Kampf schilderte der Militärkritiker Hanson W. Baldwin mit folgenden Worten: „Bei einem Angriff von neun B-29 auf ein Ziel im Nordwesten Koreas schossen russisch gebaute Migs-drei – also ein Drittel – der eingesetzten B-29 ab und beschädigten alle übrigen Bomber.“ Der Führer eines Bomberverbandes erklärte nach seiner Rückkehr in den Stützpunkt: „Die Migs gingen ran wie die Teufel!“

Die US-Luftwaffe hat aus diesen Erfahrungen gelernt. Sie vermeidet jetzt nach Möglichkeit den Tageinsatz von B-29 bei Angriffen auf Ziele in Nordwest-Korea. Die Angriffe werden meistens nachts mit Hilfe von Radar durchgeführt. Und sind einmal Tageseinsätze unvermeidlich, so werden die B-29 in dreifacher Weise geschützt. Sie starten ausnahmslos von Luftstützpunkten in Japan, von Misara, Yokote und Fukui auf der Insel Hondo, von Fukuoka an der Nordwestküste der Insel Kiuschu und von Okinawa. Die B-29 fliegen ohne Geleitschutz über das japanische Meer, die Tsuschima- und Korea-Straße oder das Ostchinesische Meer. Über Südkorea dann stößt ihr Begleitschutz zu ihnen. Vor dem Bomberverband fliegen Aufklärungsflugzeuge, die feindliche Flakstellungen ausfindig machen sollen. Sie geben ihre Feststellungen an die hinter ihnen fliegenden Schlachtflugzeuge, die die Flak außer Gefecht zu setzen haben. Und gegen Angriffe feindlicher Jagdflugzeuge schließlich wird der Bomberverband durch einen dichten Schleier von Düsenjägern geschützt. So wurde vor kurzem ein Verband von acht B-29 von der 14fachen Anzahl, also von 112 Düsenjägern begleitet!

Über die Gesamtverluste von Flugzeugen auf beiden Seiten seit (Beginn des Korea-Krieges machte der gut unterrichtete Baldwin folgende Angaben: Die US-Marine-Luftwaffe verlor bis zum 1. Oktober durch Feindeinwirkung 215 und durch Unfälle 317 Flugzeuge. Die US-Luftwaffe hatte bis zum 23. Oktober durch Feindeinwirkung einen Verlust von 321 und durch Unfälle einen geschätzten Verlust von 350 Flugzeugen. Diesem Gesamtverlust von 1203 Flugzeugen stehen nach den Abschlußberichten der US-Marine und Luftwaffe ein Verlust des Gegners von 324 Flugzeugen gegenüber, zu denen noch die Verluste durch Unfall kommen, die auf 100 bis 300 Flugzeuge geschätzt werden.