Genius der Jugend. Der deutsche Jüngling in Briefen aus drei Jahrhunderten. Herausgegeben von Gerhard F. Hering. (Scherz & Goverts Verlag, Stuttgart–Hamburg, 511 S., Leinen DM 16,80.)

Gegenüber der Erst-Edition (vor rund zehn Jahren) zeigt sich die Neuausgabe dieser mit Johann Christian Günther, Lessing, Herder und Goethe einsetzenden Brief-Anthologie beträchtlich erweitert. Der alte Bestand wurde geringfügig gemindert. Fundamentale Jugend-Selbstzeugnisse von Kafka und Bari ach, Hofmannsthal und Heinrich Heine sind hinzugekommen. Ferner Briefe von Franz Rosenzweig, Arno Holz, Karl Stauffer-Bern, David Friedrich Strauß und – Emanuel Geibel. Das Schlußwort hat jetzt im Verein mit Carlo Mierendorff, Otto Braun, Eugen Gottlob Winkler, Felix Hartlaub, Berthold Ritter und Volkmar Lachmann, der Münchner Student Hans Scholl – in zwölf hier erstmals von Inge Scholl der Öffentlichkeit vermittelten Briefen, in deren einem der Dreiundzwanzigjährige anläßlich der Inhaftierung seines Vaters aus Rußland seinen Trost an die Mutter richtet. Insgesamt dokumentieren in dieser nahezu unausschöpflichen Anthologie neunzig erlauchte, aber auch verkannte und mehr oder weniger klanglose Namen in packender Stufung alles Glück, alle Not und allen Schmerz jenes Lebensalters, in dem der Jüngling von Charakter und Schicksal „fertig geschrieben“ wird zum Mann. -ai-