Weil dem Film, diesem Ausdrucksmittel unserer Zeit, ganz und gar ein. Shakespeare oder Goethe fehlt, deshalb muß man sich so große Autoren immer noch vom Theater ausleihen. Nach „Hamlet“ von Sir Lawrence Olivier wurde von Orson Welles „Macbeth“ „in Bilder zerlegt“. Man kann den Film, um den sofort der Meinungsstreit entbrannte, seit kurzem in Matineen sehen. Selbst an der Grenze des Psychopathen, der „zerrüttete Welt in zerrütteter Seele trägt“, wollte Welles nicht nur die Rolle von Macbeth spielen, nicht nur dieses Urwesen im Menschenbezirk darstellen, das Greuel über Greuel häufte, bis es darin versank, weil seine Phantasien von irdischer Macht es dorthin hetzten. Den begabten und wagenden Filmmann lockte es vor allein, die grandiosen Bilder Shakespeares, der den vom Chaos umwitterten Macbeth im Düstern, im Nebel oder in sternenloser Finsternis, beim Schein schwelender Fackeln, unter Geraun und Gestöhn, dumpfem Klirren und Donner wandeln läßt, mit der Kamera zu bannen.

So beginnt der Film mit giftig brodelnden Blasen aus Wasser und Luft, aus denen die Druden sich formen, so spielt der größte Teil in unterirdischen, glucksenden und finster plätschernden Tropfsteinpalästen. Und das schimmernde oder dämmernde Tatengewoge aus britischer Vorzeit in nordischer Heide ist grau und gespenstisch in bezwingenden, beklemmenden Bildern geschildert. Aber so realistisch, so naturalistisch geraten die Bilder, daß sie sich dem Zuschauer aufdrängen und die Sprache absorbieren. So lang aber kann kein Film sein, daß er ausreicht, in Bildern auszudrücken, was Shakespeare sagte. Olivier, hatte in seinem „Hamlet“-Film, um Shakespeare zu dienen, den Zuschauer in einem parallelen Wettstreit von Bild und Sprache bedrängen lassen, bis an den Rand der Fassungskraft. Der Regisseur Welles, in der Not, nicht den Eindruck zu machen, als wolle er den Schöpfer des „Macbeth“ bebildern und nachholen, was Shakespeare versäumte, reiht zwischen die expressiven Bildszenen, die das Wort überwuchern, die Monologe, in denen die Kamera in Großaufnahmen riesiger, auf so lange Dauer unbelebt erscheinender Gesichtsflächen erstarren muß. Hier wird also wieder einmal die Frage brennend, ob nicht der Stummfilm das ureigenste Gebiet des Filmes war, und wo, wenn überhaupt vorhanden, das goldene Verhältnis im Zusammenklang von Bild und Wort liegt, sofern der Mensch im Kino der Aufnahmeapparat ist. Orson Welles hat es in Macbeth nicht gefunden, aber dieser Film ist ein bedeutendes Experiment von künstlerischem Bemühen, Erika Müller