K. W. Berlin, im November Ton Clifford Ödet s kamen bisher aus Amerika Stücke mit heftiger Gesellschaftskritik. Der "Golden Boy" — ein Stück, das den Rummel um den Boxring unter die Lupe nahm — diente vor zwei Jahren noch den ostsektoralea Deutschen Theater zur "Entlarvung" des Amerika von heute. Das "Mädchen vom Lande", das erst im vorigen Jahre in New York herauskam, wird jetzt in Barlogs Schloßpark Theater gespielt. Es ist keine Attacke mehr gegent amerikanische Zu stände. Die Menschen interessieren nun den erfolggewohnten Autor vom Broadway — und dazu die besonderen, die durch dieprofejsicmelle Lüge überhöhten Menschen vom Theatei. Odets hat es mit einem Schauspieler zu tun, der durch Suff verkommen ist und dem nach. Jahren eia come tack veranstaltet werden soll. Die Frau, eben das Mädchen vom Lande, leistet dabei moralische Hilfestellung, Sie opfert stäftdig iitf unbefriedigtes volles Leben- dem verkommene Mimen, dem sie einst blindseiig gefolgt war. Sie erhält sich auch dem vom Alkohol Geheilten, als sie in der Begegnung mit dem vitalen Managet ihres Mannes, in der Begegnung mit dem Regisseur sich dem Lefaea wiedergegeben spürt. Lebenshungri ; und iebensleer, lügt, wirbt, fleht und haßt sie — einem Manne zuliebe, dem sie einst aus Liebe folgte und dem sie alle Wege dar Erniedrigung und des Opfers nachgeht. Die bezwingend harte Sprache und die jeden Satz erstaunlich beseelende Kunst Marianne Hoppes gaben der. Sache mehr Gewicht, a!s sie vom Autor her besitzt. Ernst Deutsch spielte den. Gegenpart, es läßt sich schwerlich eine Darstelking denken, die diesem Menschenbild von Eitelkeit, Lüge, Verstellung und Naivität ein? drucksvollere, Umrisse gegeben hätte. Boleslav Barlog hatte mit Hans Söhnker noch eine dritten Star zur Verfügung für einen glanzvollen Berliner Theaterabend.