Würde überall ebenso intensiv rationalisiert, wie seit Jahr und Tag in zahllosen Gremien gefordert wird – alles wäre vermutlich aufs beste bestellt. Weil aber Theorie und Wirklichkeit noch nicht übereinstimmen, verlangte Bundeswirtschaftsminister Erhard auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Rationalisierungskuratoriums der Deutschen Wirtschaft (aus Anlaß der Konstituierung des RKW-Beirats) in Frankfurt dieser Tage: mehr, besser und billiger zu produzieren.

Die Industrie forderte er auf, sich mit ihm zusammenzusetzen, um bestimmte Produkte zu bestimmten Preisen und Typen zu fixieren. Das Problem der sozialen Not läßt sich (nicht nur nach Meinung des Ministers) keineswegs durch diese oder jene Verteilungsmethode für das Vorhandene lösen. Viel Unzufriedenheit – sei sie nun sachlich begründet oder nicht – muß neutralisiert und vom Wege zur Radikalisierung abgelenkt werden. Also: Praktiker an einen Tisch. Dies aber nicht, um wiederholt gleiche Ziele und gemeinsame Oberzeugungen festzustellen. Nein! Jetzt muß ein umfassendes konkretes Programm gestaltet werden, das außer nachhinkenden Großbetrieben insbesondere Klein- und Mittelbetriebe anspricht.

Erhard betonte die Notwendigkeit einer Erhöhung des Sozialprodukts, das er auf gegenwärtig rund 100 Mrd. DM bezifferte, Ohne verstärkte Rationalisierung bliebe das eine Illusion. Große Fortschritte winken hier nicht von heute auf morgen. Nur Geduld und Zähigkeit versprechen Resultate. So rasche Erfolge wie nach der Geldreform sind ohnehin in Zukunft nicht mehr zu erwarten. Erhards Rezept verschreibt die Medizin der Stunde; mehr Menschen sollen mehr Güter des gehobenen Bedarfs billiger als bisher bekommen. H. B.