Kompromisse, von denen eigentlich keiner der Vertreter sich widersprechender Auffassungen über die Wirtschaftsordnung begeistert ist, sind die Folge einschlägiger Auseinandersetzungen in diesen Jahren. Während die östliche Staatsform in Westdeutschland einmütig abgelehnt wird, verurteilt man deren ökonomische Komponente nicht ebenso. Auf dem Bundestag 1951 des 1933 verbotenen und nach 1945 neu formierten Freiwirtschaftsbundes in Heidelberg-Ziegelhausen nannte man diese Kuriosität beim Namen und empfahl die „soziale Marktwirtschaft“ als Ausweg aus dem Dilemma.

Denn: totale Planwirtschaft (Zentralverwaltungswirtschaft) ist nicht ohne eine totalitäre Staatsform denkbar, ergo abzulehnen. Schrittweise Sozialisierung kann sich zwar zunächst auf demokratischer Basis bewegen (England), erzeugt jedoch zunehmend Reibungen mit noch nicht sozialisierten Gebieten und mündet auf Grund der ihr innewohnenden Dynamik ebenfalls früher oder später im totalitären Bereich. Die dritte These, die des Laisser-faire, Laisser-aller, ist nicht minder suspekt. Private Machtzusammenballungen rufen den Staat auf den Plan; er bildet Gegengewichte, verstaatlicht, sozialisiert.

Was ist anzustreben? Echter Leistungswettbewerb ohne Monopol; Durchsetzung dieses Prinzips auch auf den Gebieten, die heute der Konkurrenzwirtschaft noch nicht unterliegen (z. B. Kohle); Herstellung gleicher Startbedingungen für alle unter dem Motto „jedem das Seine“ (nicht: jedem das Gleiche). Ungleichheiten soll es nur infolge ungleicher Leistungen geben. Und nicht zu vergessen; Das Attribut „sozial“ muß mehr sein als ein zartrosa Etikett zur beliebigen Verwendung bei lediglich propagandistischem Bedarf: nämlich eine zu praktizierende Verpflichtung. Be.