Ludwig Reiners: Roman der Staatskunst. Leben und Leistung der Lords. (Verlag C. H. Beck, München. 524 S., 14 Tafeln, Leinen DM 22,50.)

Warum ist die englische Geschichte in den vergangenen Jahrhunderten glücklicher verlaufen als die deutsche? Reiners beantwortet diese Frage, indem er die führenden englischen Politiker der Zeit vom Abfall Nordamerikas bis zur Schwelle des ersten Weltkrieges darstellt, mit gründlichen biographischen Kenntnissen, aus der Fülle politischen Wissens, unter Verwendung von Reden, Tagebüchern, Briefen und Gesprächen. Wer mit wacher Aufmerksamkeit diese Porträt-Galerie von Pitt über Hastings, Palmerston, Disraeli, Salisbury bis Cecil Rhodes und Joe Chamberlain durchwandert, wer den intimen Verflechtungen von Persönlichkeit und politischer Leistung nachgeht, in dem wird ein Gefühl für die politische Dynamik und den immerwährenden ethischen Konflikt zwischen Persönlichkeit und geschichtlicher Größe überhaupt geweckt werden. Er lernt – jenseits eines engen Moralismus – unsere Gegenwart besser verstehen, schärfer sehen und sicherer beurteilen. Leo Nitschmann