R. K. N. Zürich, Anfang November

Die Beschäftigungslage der schweizerischen Industrie hält sich weiterhin auf Rekordstand. Der Beschäftigtenindex stieg im 2. Quartal dieses Jahres neuerlich um 3,8 v. H. und übertrifft damit den schon sehr hohen Vorjahresstand um 11,9 v. H., so daß die ungedeckte Nachfrage nach Arbeitskräften nur durch verstärkte Heranziehung von Fremdarbeitern gedeckt werden kann, deren sich vor allem die Landwirtschaft,-die Bauindustrie und das Gastgewerbe bedienen.

Der Güterverkehr auf den Bundesbahnen stieg gegenüber der gleichen Vorjahreszeit um nicht weniger als 34 v. H., die Gütermenge, die von der Rheinschiffahrt befördert wurde, sogar um 66 v. H. Die Wertumsätze im Kleinhandel lagen im ersten Halbjahr 1951 um 10,5 v. H. über den Vergleichszahlen des Vorjahres. Die Fiskaleinnahmen des Bundes beliefen sich im 1. Halbjahr auf 845,5 Mill. sfr gegenüber 844,8 im 1. Halbjahr 1950. Das heißt vor allem, daß die Zoll-Mindereinnahmen im Zusammenhang mit der Erweiterung der Freilisten durch die allgemeine Konjunkturbelebung und Preisentwicklung voll kompensiert worden sind. Aktuellste Sorge der schweizerischen Exportindustrie ist die Umstellung des deutschen Zollsystems vom Gewichtszum Wertzoll, wodurch gerade die hochwertigen schweizerischen Exportprodukte schwer betroffen werden.

Eine ernste Warnung vor einer weiteren Industrialisierung der Schweiz sprach dieser Tage Dr. H. Sulzer aus, der lange Zeit Schweizer Gesandter in den USA war und 16 Jahre hindurch den Vorsitz des schweizerischen Handels- und Industrievereins innehatte. Er wies darauf hin, daß eine Reihe schweizerischer Wirtschaftskreise bereits jetzt ein mehr oder weniger empfindliches Abflauen der Konjunktur zu verzeichnen haben und propagierte darum eine starke Zurückhaltung der Schweiz im Produktionsausbau.