Es hat sich in den letzten Jahren mehrfach bemerkbar gemacht, daß die straffe Organisation der Gewerkschaften 1945 „stand“, während die ersten Unternehmerverbände sich 1947 zaghaft an das Tageslicht wagen durften. Im Machtkampf zwischen organisierter Arbeiterschaft und Unternehmern hat sich – auch beeinflußt durch diese Startbedingungen – das Schwergewicht ganz eindeutig auf die Seite der Gewerkschaften verschoben. Wenn das Privateigentum erhalten bleiben soll, bedarf es auf Seiten der Unternehmer, abgesehen von beruflichen Qualitäten und hervorragenden taktischen Fähigkeiten, im Umgang mit Belegschaft und Gewerkschaft einer überbetrieblichen Einsicht in die Gesamtsituation. Es ist kein Geheimnis, daß seit 1948 eine Anzahl von Unternehmern eine solche „überbetriebliche Einsicht“ zugunsten der Gewinnmaximierung vermissen ließ. Um so erfreulicher ist es, aus Unternehmerkreisen auch zahlreiche Stimmen zu hören, die den Ernst der Lage voll würdigen. Eine besonders bemerkenswerte ist die des Dr. Winschuh, eines Textilfabrikanten in der Pfalz. Seine Ansprache auf der diesjährigen Jahrestagung des Zentral Verbandes der elektrotechnischen Industrie (jetzt in Lutzeyer’s Fortsetzungswerken GmbH., Frankfurt/Main und Bonn, erschienen) sowie sein Aufsatz über „Junge Geschäftsleute und Deutschlands Zukunft“ verdienen das Interesse der breiten Öffentlichkeit. Der Autor weist darauf hin, daß die Unternehmerschaft isoliert und verloren ist ohne einen gesunden, vom Spartrieb „erfüllten“ Mittelstand, daß sie daher für das Kleineigentum und den Mittelstand eintreten müsse. Aufbau einer Unternehmerpolitik, um mehr an Volk, Arbeiter, Politik und Wissenschaft „heranzukommen“, Schulung der jungen Unternehmer, Ausgestaltung der Geschäftsberichte zu wirksamer Aufklärung und Meinungspflege, Auswertung von Mitarbeiteraussprachen und Betriebsratsitzungen. sind weitere Programmpunkte. (In einzelnen Betrieben ist das längst verwirklicht; es kommt heute jedoch, mehr denn je, auf die Breitenarbeit an.) Man müsse, so sagt Winschuh weiter, von der Überbewertung der Sozialpolitik wegkommen und statt dessen angewandte Soziologie betreiben; er bejaht die Erfolgsbeteiligung, lehnt aber das Mitunternehmertum – ähnlich wie es die amerikanischen Gewerkschaften tun – als sinnwidrig ab. „Die Gewerkschaft will kein Gleichgewicht, sondern ein nicht gerechtfertigtes Übergewicht; die Unternehmer können sich demgegenüber keine vornehme Zurückhaltung leisten. Eine gekonnte Massenführung ist vielmehr notwendig. Es sollte unsere Führung beschäftigen, wie man aus der Masse ein Volk macht.“

Vorstehendes sollte gehört und verstanden werden. C. v. S.