Wenn in der letzten Zeit, an den Wertpapierbörsen für die festverzinslichen RM-Papiere ein spürbares Interesse erkennbar wurde, so ist dabei die Hoffnung auf eine Aufwertungsquote wesentlich. Insofern hat die Kampagne der Schutz Vereinigungen privater Wertpapierbesitzer gewirkt, denn die erwachende Nachfrage nach diesen Papieren beweist, daß man in Börsenkreisen eine Aufwertung der 10:1 zusammen-• gelegten Hypothekenpfandbriefe und Obligationen für möglich hält. Es ist zu begrüßen, daß die Ansprüche der Schutzvereinigungen sich in realisierbarem Rahmen halten. Hypothekengläubiger, Pfandbriefbesitzer und sonstige Inhaber dinglich gesicherter Rentenwerte wollen sich keineswegs dem Lastenausgleich entziehen, sie wollen aber auch nicht über den vorgesehenen Satz von 50 v. H. hinaus zur Abgabepflicht herangezogen bleiben. Daher fordern sie die Rückgabe von 4/10 aus dem Treuhandfonds der Umstellungsgrundschulden. Bei den Industrieobligationen, Kommunaldarlehen und der Gemeindeumschuldungsanleihe, der Anleihe der Reichspost sowie Reichsbahn liegen die Dinge ähnlich.

Mit ihrer Forderung nach Aufwertung stehen die Schutzvereinigungen nicht mehr allein, denn Sozialversicherungsträger, Pensionskassen, Stiftungen usw. hoffen auch auf eine Rückgabe der 4/10 ihres dezimierten Wertpapierbesitzes. Die Widerstände, die dem entgegenstehen, sind groß. Zwar werden durch die nun vorgebrachten Vorschläge keinerlei Haushaltsmittel des Bundes oder der Länder in Anspruch genommen, doch verringern sich die Mittel, die dem künftigen Lastenausgleichsfonds zur Verfügung stehen sollen. Und das ist der Punkt, wo die Bedenken des Gesetzgebers einsetzen! Er wird sich nur sehr schwer bereit finden, einer Kürzung zuzustimmen, zumal damit zwangsläufig eine abermalige Verzögerung des nunmehr schon seit 3 1/2 Jahren beratenen Gesetzes eintretet, wird.

Diese Argumente können allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, daß die ungerechte Behandlung der Inhaber von festverzinslichen Wertpapieren bei der Währungsreform die Schuld an der Enge und an der Erstarrung unseres Kapitalmarktes trägt, dem langfristiges Sparkapital in Effektenform für Wohnbaufinanzierung und industriellen Bedarf nur in verschwindend geringem Umfang zur Verfügung gestellt wird. In den Jahren nach der ersten Aufwertung von 1924 bis 1928 wurden durchschnittlich jährlich 47 v. H. neue Investitionsmittel durch Wertpapiersparen aufgebracht; 1949 und 1950 waren es nur 3 v. H.! Will man das Vertrauen in den Rentenmarkt zurückgewinnen und ihm wieder zu der Bedeutung und der Funktionsfähigkeit verhelfen, die er einst in Deutschland gehabt hat, so ist zuvor an den enttäuschten Besitzern von „mündelsicheren“ und „fundierten“Rentenwerten noch viel gutzumachen. – ndt