B. P. Stockholm, im November

Bei dem heftigen Tempo der internationalen Preisentwicklung in den letzten zwölf Monaten. ist die Feststellung für ein Land, ob man „einen Schnitt gemacht“ oder sich bei seinen Kalkulationen „geschnitten hat“, nicht leicht. Denn was als Ziffer gegen einst imponiert, kann (als Realeinkommen betrachtet) eine Verminderung sein. Das schwedische Konjunkturinstitüt hat nun die Rechenmaschinen schnurren lassen und ist dabei zu einem für Schweden erfreulichen Ergebnis gekommen: Die Ausfuhrpreise sind weit mehr gestiegen als die Einfuhrpreise, und außerdem soll das Netto der Schiffahrt um rund 300 Mill. Kr. höher liegen als im Vorjahr. Deshalb erwartet man, daß das Realeinkommen des Landes, berechnet zu den Preisen von 1950, in diesem Jahre um ein bis anderthalb Mrd. Kr. höher liegen wird als im vorhergehenden Jahre. Das ist etwa dasselbe Ergebnis, als wenn sich die Produktion um 5 v. H. erhöht hätte.

Im Volumen schätzt man die Ausfuhr in diesem Jahre um 6 v. H. und die Einfuhr um sogar 19 v. H. höher als im Vorjahr. Im ersten Halbjahr lagen die Preise für Aus- und Einfuhr um 40: und 21 v. H. höher als 1951 und im zweiten Halbjahr 63 und 34 v.H. Damit hat sich die Schere um 16 und 21 v. H. oder um 19 v. H. für das ganze Jahr verbessert. Von diesem Plus wurde nach Ansicht des Konjunkturinstituts rund 1 Mrd. Kr. in Form einer Mehreinfuhr angelegt. Außerdem ergibt sich eine halbe Mrd. Überschuß im Warenaustausch, die sich nach und nach in der Devisenreserve niederschlagen wird. Soweit die Entwicklung nach außen.

Im Lande selbst rechnet man bei der Landwirtschaft mit einem Produktionsausfall von einigen 100 Mill. Kr. als Folge der schlechten Ernte. Dagegen wird für die Industrie eine Produktionssteigerung von 1000 Mill. Kr. angenommen. Beide Seiten, Außenhandel und Binnenwirtschaft zusammen, ergeben zu gleichen Preisen gerechnet ein Mehr von wenigstens 2 Mrd. Kr. – während man im Nationalbudget nur mit einer Verbesserung von 1 Mrd. gerechnet hatte. Bedeutsam ist, daß der private Verbrauch während des ersten Halbjahres kaum eine Steigerung, erfahren hat. Dagegen rechnet man neben einer bedeutenden Lagererhöhung und dem Anwachsen der Devisenreserve (jetzt wieder 1871 Mill. Kr.) mit einem Mehr von 300 bis 400 Mill. Kr. bei Investierungen in Maschinen und Inventar. Der größte Teil der Steigerung des Realeinkommens entfiel auf die Unternehmen und das öffentliche Gebiet. Für 1952 erwartet man eine weitere Erhöhung der Eigenproduktion trotz der bekannten Schwierigkeiten in der Rohstoffversorgung. Ein Preisfall, der die Ausfuhrerlöse um 1 Mrd. senken wird, ist nicht ausgeschlossen. Auf der Verbrauchsseite rechnet man vor allem mit einer Zunahme des öffentlichen Verbrauchs u. a. für Verteidigungszwecke.