Gedanklich und propagandistisch läuft die Marktwirtschaft weiter. Der Akzent, dabei der sozialen Marktwirtschaft sowohl auf sozial als auch auf Marktwirtschaft liegen sollte, liegt heute aber weder auf sozial noch auf Marktwirtschaft. Der Akzent liegt vielmehr auf „to muddle through“, auf teilweiser Lenkung und teilweiser Freiheit. – Wer in Freiheit Geld verdienen konnte, soll nunmehr die mit gelenkten, also zu niedrigen Preisen arbeitenden Grundstoffindustrien mit Kapital versehen. Gelenkt wird ferner die Ernährungswirtschaft, und die „Grüne Front“ will ja noch mehr Lenkung. Teilweise gelenkt wird über die Devisenzuteilung in den verschiedensten Formen auch der Außenhandel, vorwiegend der Import. Jetzt ist auch der Export an der Reihe. Im allgemeinen heißt es zwar: Export um jeden Preis. Was bisher geschieht, ist aber die Bevorzugung der lohnintensiven Ausfuhrproduktion. Nur harmonieren hier nicht immer die Wünsche der Beteiligten. Der Halbzeughersteller beispielsweise kann seinen Stahl am Weltmarkt bei gelenkten Preisen im Innern heute sehr günstig absetzen. Wird aberdieses Halbzeug hier zur Exportware weiterverarbeitet, so ist der Devisenerlös insgesamt noch höher. Nur hat der Halbzeugproduzent für sein Unternehmen nichts davon. Wie sollte ihn also der Markt zwingen, volkswirtschaftlich richtig zu handeln, wenn er dabei gegen seine eigenen Interessen verstößt?

Da bleibt mangels Preisfreiheit nur der Befehl. Und ein solcher Befehl ist jetzt da. Die Bundesstelle „für den Warenverkehr der gewerblichen Wirtschaft kann verfügen, daß gewerbliche Unternehmen bestimmte Waren mit Vorrang vor anderen Waren herstellen und für die Ausfuhr (den Ausfuhrhändler) bereitstellen Auch Zulieferungen können dabei erfaßt werden. Bevorzugt werden sollen vornehmlich solche Güter, die der westlichen Rüstung dienlich sein können – ein weites Feld für pfiffige Exporteure, wenn nicht die Bundesstelle enge Grenzen zieht. Eine allgemeine Exportpriorität will sie nämlich (noch) vermeiden. W–n.