Uraufführung „Gloriana“ in Stuttgart

Stuttgart, im November

Arnolt Bronnen war in den zwanziger Jahren einer unserer meist gespielten Dramatiker. Dann geriet er ins politische Zwielicht, und seine Stücke verschwanden von den Bühnen. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde des gebürtigen Wieners Dramatisierung von „Michael Kohlhaas“ in Linz wiederaufgeführt, kam das während der letzten Kriegsjahre in Kassel kurz vor der Uraufführung verbotene Schauspiel „N“ (um den Herzog von Enghien) in Linz und Salzburg heraus. In Deutschland blieb es bei einer in ihrer Auswirkung mißglückten Aufführung des „Kohlhaas“ in Karlsruhe. Wirklich zur Diskussion gestellt wird Bronnen jetzt erst wieder durch die Uraufführung seines Lustspiels „Gloriana“ (das während des Krieges gleichfalls verboten worden war) an den Württembergischen Staatstheatern.

Bronnen tut hier den bei Dramatikern so beliebten Griff in das elisabethanische England; also in eine Zeit der ungezügelten Leidenschaften. Den Kampf animalisch-erotischer Instinkte zwischen Elisabeth und ihrem Günstling Essex will Bronnen, mit aggressiven Zynismen gewürzt, zur Auseinandersetzung zwischen dem Geist und der mißbrauchten Macht weiten. Er läßt deshalb hinter Essex als eigentlichen Drahtzieher Francis Bacon auftauchen, der ihm aber unversehens nicht nur zu Shakespeare, sondern schließlich sogar zu Edward VI. wird, Elisabeths frühverstorbenem Bruder. Der Autor benützt dabei eine alte Legende, nach der Bacon der gerettete König gewesen sei.

Eine Reihe glänzender, blendend gemachter Szenen – aber die geistige Auseinandersetzung bleibt in den Ansätzen stecken. Dennoch: die erregende Wirkung, die von einzelnen Bildern ausgeht, ist auf unseren Bühnen selten geworden. Die Stuttgarter Aufführung unter Paul Hoffmann in den atmosphärisch dichten, faszinierenden Bühnenbildern von Leni Bauer-Ecsy entband diese aus dem Szenischen sich entwickelnde theatralische Schlagkraft. In der Titelrolle neu für Stuttgart die vitale Trude Tandar.

Hermann Dannecker