Manuel Gàlvez: Karawane der Sünder. Roman. (Bastion-Verlag, Düsseldorf. 168 S., Leinen DM 7.50.)

Wie Moskitos schwirren und summen die Sünden um den Padre Eudosio Solanas, den Manuel Gàlvez in dem Roman „Karawane der Sünder“ in einer Kirche zu Buenos Aires zahllosen Beichtkindern sein Ohr leihen läßt. Alle fordern von dem Beichtiger das Maß ihrer Buße, Vermahnung, Trost und Absolution. Schwache und Aufsässige enthüllen ihrem Beichtvater die Traurigkeit der Welt als den Schmerz der Sünde, der den Einsamkeiten der verlassenen Seele entstege. Er aber, auf dessen Schultern und auf dessen Herz die Last dieser Traurigkeit sich turmhoch häuft, sinkt zuletzt vor dem Altar Marias entseelt zusammen.

Ein markantes, sehr merkenswertes Beispiel argentinischer Literatur erreicht uns hier. Der demnächst siebzigjährige Autor, Gründer des argentinischen PEN-Klubs. hat mit dem Roman namentlich in Frankreich ein starkes Echo gefunden. Begreiflich genug! Die Hauptgestalt, dieser wissende und ringende, strenge und doch keineswegs unangefochtene Padre Solanas, wird cem Leser zum Begleiter, zum Freund, zum Bruder. Satanas verkörpert sich diesem Beichtiger im verrannten Haß auf alles Menschliche. Auf den Menschen, den er vom Beichtstuhl aus klaftertief stürzen und klaftertief leiden sieht und ebendaher lieben muß. -at-