Heinrich Böll: Wo warst Du, Adam? Derselbe: Die schwarzen Schate Verlag Friedrich Middelhauve, Opladen, 210 S. und 21 S., 8 DM und 1.75 DM).

Heinrich Böll, der begabtesten einer unter den Autoren der „Gruppe 47“, dessen erregende Kurzgeschichten im Anfang dieses Jahres aufhorchen ließen, legt seinen ersten Roman vor. Und was nach seinem eigenwilligen Novellenband „Wanderer kommst Du nach Spa...“ abzuwarten blieb, ist nun keine Frage mehr: Böll hat mühelos zur größeren Form gefunden und beweist damit seinen dichterischen Auftrag. „Wo warst Du, Adam?“ ist das rückhaltlose Bekenntnis eines Dichters, der im Kriege lernte, den Menschen zu sehen und zu erkennen, und der ihm nachspürte, bis ins Eigenste und Allzu-Menschlichste.

Sein Anliegen ist der Krieg als ein Krankheitszustand des Menschen, der jede geistige Ordnung im Leben in Frage stellt, der Pläne und Ziele menschlichen Strebens sinnlos macht und der Reaktionen und Taten auslöst, die ohne diese Infizierung undenkbar wären. Der Soldat ist nur noch ein winziges Teil der gigantischen Maschinerie, in der er als Einzelwesen nicht mehr existent ist, deren Gewalt er zwangsläufig unterliegen muß. Auftrag und Befehl schalten die eigene Initiative und damit auch die eigene Verantwortung aus, ja, sie schalten letztlich den Menschen als denkendes Wesen aus. Auftrag und Befehl lassen ihn töten, und er wird getötet, aber der Tod hat seinen Sinn verloren.

Die Landschaft des Krieges, gegen den sich keiner wehren kann, zeichnet Böll in ihren wesentlichen Phasen. Vom General bis zum letzten Soldaten, von der rassisch Verfolgten bis zur polnischen Bäuerin ereilt sie ihr fragwürdiges Schicksal. Die Personen handeln nicht eigentlich selbst, sondern sie „werden gehandelt“. Ihr Alibi vor Gott ist der Krieg. Nur eine Frau findet für sich selbst einen Ausweg: Sie betet, „um Gott zu trösten“.

Zugleich mit dem Roman des Krieges legt Heinrich Böll ein kleines Bändchen vor, das ihn von einer völlig neuen Seite zeigt: Humorvoll, ironisch und mit einem belustigten Augenzwinkern erzählt er die Geschichte von den „Schwur zen Schafen in einer jeden Familie, die doch immer ein paar weiße Flecken haben, und ohne die es keine richtige Familie geben kann. Mirko Szewczuk illustrierte das vergnügliche Heft mit kräftigen Strichen.

Ingeborg Hart mann