Seit dem Sommer 1950 haben die USA ihre wirtschaftliche Aktivität in Afrika erheblich gesteigert, wobei die Maßnahmen im Zusammenhang mit strategischen Plänen stehen. Dabei handelt es sich vor allem um Kapitalinvestitionen, die über kurz oder lang einen gesteigerten Bezug strategischer Rohstoffe ermöglichen sollen, also um Anleihen aus dem Fonds des Marshall-Plans für die abhängigen Gebiete und durch die Internationale Wiederaufbaubank für die selbständigen Staaten, ferner in einem nur ungenau erfaßbaren Umfang um Anleihen für private Kapitalanlagen. Alle Anleihen werden in der Regel für 20 bis 25 Jahre gegeben, und ihre Rückzahlung beginnt kaum vor 1956. Vor allem werden diese Mittel zunächst für die Verkehrserschließung des Kontinents, für Eisenbahnen, Straßenbau, Hafenerweiterung und Nachrichtenverbindungen angelegt. Nur ein geringerer Anteil des amerikanischen Kapitalzustroms dient dem Ausbau der Industrieeinrichtungen selbst.

Die Wiederaufbaubank hat bisher zwei Anleihen an Abessinien in einer Gesamthöhe von 8,5 Mill. $ für Straßenbau und Nachrichtenverbindungen und 50 Mill. an die Südafrikanische Union für Verkehrsverbesserungen und den Bau von Elektrizitätswerken gegeben. Ihre Tätigkeit wird durch das Vierpunkteprogramm Präsident Trumans ergänzt: mit Liberia wurde ein Entwicklungsplan für fünf Jahre festgelegt, zu dessen Gesamtkosten von 32,5 Mill. $ die einheimische Regierung nur 20 v. H. ihrer Steuereinnahmen, also etwa 8 Mill., beisteuert. Dieser Vereinbarung folgte sofort ein Militärabkommen. Den ägyptischen Ministerien für soziale Angelegenheiten und für Nationalwirtschaft sind größere Mittel für landwirtschaftliche Verbesserungen, die einen steigenden Import amerikanischer Maschinen, hervorrufen werden, zur Verfügung gestellt worden. Außerdem erhielten Libyen und Eritrea kleinere Beträge (150 000 und 50 000 $).

Gleichzeitig mit der großen südafrikanischen Anleihe der Wiederaufbaubank gaben acht amerikanische Privatbanken eine Anleihe von 30 Mill. an die Union, die teilweise für die Staatliche Eisenbahn- und Hafenverwaltung reserviert ist. Sonst hat sich das Privatkapital auf den Erwerb vorhandener Minen- und Industriebetriebe beschränkt. So wurden beispielsweise die Tsumebminen in Südwestafrika und Rechte an Kupfervorkommen in Französisch – Äquatorialafrika übernommen. In Südafrika beginnt die Foster-Wheeler Corporation mit dem Bau einer Ölraffinerie bei Durban. Es gibt Gummifabriken, Automontagewerke und Maschinenfabriken in amerikanischer Hand. Bei der Erschließung der neuen Goldadern des Oranjefreistaates ist ein einflußreiches amerikanisch kontrolliertes Bergbauunternehmen führend beteiligt,

Die Empfänger der Gelder sind sowohl europäische Regierungen als auch einzelne Gesellschaften in den Kolonialländern. Eine gesamtafrikanische Aufstellung gibt es nicht. Man weiß jedoch, daß von rund 200 Mill. $, die aus dem Fonds de Developpement Economique et Social (FIDES) nach Afrika gegangen sind, 26 Mill. aus Gegenwertmitteln stammten. Insgesamt sind bis zum letzten Jahresende rund 147 Mill. $ Marshall-Plan-Gelder in die afrikanischen Besitzungen Frankreichs mit Ausnahme Ostafrikas geflossen.

Der Querschnitt eines Monats charakterisiert den Zustrom amerikanischen Kapitals am besten: Im Juni 1951 hat Britisch-Afrika etwas mehr als 6 Mill. EGA-Gelder erhalten, um Eisenbahnen an der Goldküste, Straßen in Nigeria, Nordrhodesien und Tanganjika sowie Brücken in Sierra Leone zu bauen und die Leistungen der Kohlengruben in Nigeria zu steigern. Gleichzeitig wurden aus dem „Überseeischen Entwicklungsfonds“ an Frankreich 28 Mill. für den Bau von Arbeiterwohnungen in Casablanca, für Kohlengruben in Marokko, den Ausbau des westafrikanischen Erzhafens Conakry, für eine Eisenbahnstrecke in Westafrika, für Straßenbauten in Kamerun und für ein Elektrizitätswerk in 3razzaville gegeben. Noch in demselben Monat erhielt Belgien für das Kongogebiet zum Ankauf von zehn vollständigen Straßenbauausrüstungen knapp 2 Mill., nachdem es eine Woche zuvor 15,5 Mill. für Bau und Verbesserung von Straßen, die die Verbindung zu strategischen Rohstoffgebieten herstellen, für die Verbesserung des Flußverkehrs und für Elektrizitätswerke bekommen hatte.

In diesem Zusammenhang haben jene 5 v. H. der ECA-Gegenwertmittel eine besondere Bedeutung, die für die Zwecke der USA ausdrücklich reserviert sind. Zwei Drittel wurden für direkte Einkäufe strategischer Rohstoffe vorwiegend in von Europa abhängigen Gebieter, verwendet. Jedoch sind auch vollständige Projekte, wie der Ausbau des portugiesischen Hafens Beira oder die Blei- und Kupferausbeute im mittleren Kongo, neben der Bezahlung der Seetransporte für strategische Rohstoffe aus diesem Reservefonds bestritten worden. Oskar Splett