Ein offenes Bekenntnis zum Schuman-Plan stand auf dem Programm des Eisenhüttentages 1951, der am letzten Wochenende im Beisein von rund 3000 Eisenhüttenleuten aus Ost- und Westdeutschland, aus dem Saargebiet und Österreich und aus allen eigeninteressierten Staaten in Düsseldorf durchgeführt worden ist. Es war wieder eine fachlich wie menschlich imponierende Kundgebung. Aber es lag ein ungemein schwerer Schatten auf diesem Kongreß. Am Freitagmorgen, dem Haupttag des Treffens, kam die Kunde von dem neuesten Schlag gegen die Thyssenhütte, über die wir an anderer Stelle des Blattes berichten. Diese unkluge und verfehlte Kontroll-Politik verdüsterte das Bekenntnis zur europäischen Gemeinschaftsarbeit und ließ selbst die anwesenden ausländischen Gäste nur mit Kopfschütteln auf die reaktionäre Stahlpolitik der alliierten Kontrollorgane antworten. „Mehr und mehr wird uns Eisenhüttenleuten aufgepackt, die wir im Feuer und Staub unserer Werke den Kampf mit der Materie führen und entscheidende Mitstreiter für das geeinte Europa sind“, sagteProf. Schenk, Aachen, Vorsitzender des Vereins Deutscher Eisenhüttenleute.

Aus dem Bekenntnis zum Schuman-Plan wurden unmißverständliche Warnungen, nun wo alle am Fall Thyssen sehen, wes Geistes Kind die Montanunion werden kann. „Mit unzulänglichen .Einrichtungen und unfrei in unseren Entschlüssen müssen wir Bedingungen eingehen, bei denen nicht mehr die Rede von Gleichberechtigung und gleichen Chancen sein kann. Wir müssen daher beschleunigt eine völlige Klarstellung der Themen Erzeugungsbeschränkung, Militärisches Sicherheitsamt, Investitionskontrolle und Dekartellisierung fordern.“ Rein politische, rein konkurrenzmäßige Gesichtspunkte hätten sich wieder nach oben gedrängt. „Bei aller grundsätzlichen Zustimmung zum Schuman-Plan haben wir Deutsche konkrete Bedingungen zu, formulieren. Es sind dies: Aufhebung aller widernatürlichen Zwangsmaßnahmen bei Produktion und Eigengestaltung der Werke und zweitens: Deutschland darf nichts vorenthalten werden, was man anderen zubilligt“. So sagte Prof. Schenk weiter.

Der minutenlange Beifall ließ erkennen, daß die Alliierten den Bogen überspannt und die deutsche Schlüsselindustrie zu einer einhelligen Opposition gezwungen haben. Das ist das in einer Hinsicht „erfreuliche“ aber im Grunde genommen doch recht traurige Resultat dieses Eisenhüttentages 1951. Rlt.