Vor amerikanischen Kriminalfilm-Kinos sollen

sich manchmal Leute zeigen, die auf die erwartungsgeladenen Besucher zugehen und sagen: „Geben Sie mir einen Dollar, oder ich verrate Ihnen, wer der Mörder ist!“ – Seit unsere Behörden mit Strenge gegen alkoholisierte Autofahrer vorgehen, beobachtet man in mehreren deutschen Städten ähnliche Figuren mit ähnlichen Interessen. Sie postieren sich vor Wirtshäusern und Nachtlokalen und sagen zu Kraftfahrern, die leicht schwankend zu ihren Wagen gehen: „Geben Sie mir ein kleines Trinkgeld, sonst zeige ich Sie wegen Trunkenheit am Steuer an!“ Keine Frage: die deutsche Version ist weitaus unsympathischer als die amerikanische. Denn außer dem Element der Erpressung enthält sie auch noch das der Denunziation, einer in Deutschland hochentwickelten Kunst, die normalerweise eine politische Pointe hat und nach jedem Regimewechsel ihre Triumphe feiert. Und wie immer hat die Denunziation auch hier ihren profitlichen Hintergrund.

Die Polizei wird gut daran tun, sich dieser „Mitarbeiter“ schnellstens anzunehmen, wenn sie vermeiden will, daß ihre ganze Aktion gegen den Alkohol am Steuer kompromittiert wird. Denn das Volk haßt Erpresser wie Denunzianten, ob sie ihr Geschäft nun politisch oder verkehrstechnisch betreiben. W. F.