Mannheim, im November

Fast am gleichen Tag, an dem im westlichen Grenzgebiet eine Großaktion der Zollbehörden gegen die Schmuggler begann, wurde in Aachen, Berlin, Mannheim und einigen anderen Städten der Film „Sündige Grenze“ uraufgeführt, der in jenem gleichen Gebiet an der Dreiländerecke gedreht ist. Robert Adolf Stemmle, der Regisseur, hat sichtlich bei den neuen Italienern gelernt, und die Ansätze zu einem wirklichkeitsnahen Filmstil darin sind beachtlich. Schon der Vorspann führt in die verlassenen Bunker und zwischen die Panzersperren am ehemaligen Westwall, in das gar nicht so ungefährliche Versteckspiel zwischen den halbwüchsigen „Rabbatzer“-Banden und dem Zoll. Diese Kindergesichter sind zweifellos so lebensnah, wie sie der deutsche Film schon lange nicht mehr gekannt hat: die einen von Neugier oder Abenteuerlust unter die Rabbatzer geführt, die anderen von ihren Eltern geschickt. Noch treiben es die meisten nur als eine neue Art Sport, und doch beginnen manche schon abzurutschen, werden Schritt für Schritt zum Verbrechen oder zur Prostitution hingeführt. Leider rutscht auch – mit Rücksicht auf die Kinokassen? – die Geschichte in ihrem Verlauf immer mehr zum herkömmlichen Kintopp ab: wenn eine seelische Wandlung motiviert werden soll, schleppt man einen ganzen geraubten Kirchenschatz nebst der frommen Buße darüber einher; und wenn eine junge Sumpfblüte gerettet zu werden hat, kommt gleich Dieter Borsche als studienreisender Akademiker in allmählich abgegriffenem Edelmut an und hebt als eine Art Heilsarmee-Apostel der Demokratie und der Europa-Union sie zu sich empor. Bemerkenswert jedoch einige junge Schauspielergesichter: Jan Hendriks als Rabbatzhäupling und Inge Egger als moderne demivierge. Nicht zu vergessen Gisela von Collande, die nun ins Mütterfach wechselte und mit ihrer verhärmten und verbitterten Proletenfrau die vielleicht stärkste Leistung gab.

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