826 000 deutsche Kriegsgräber wurden seit Kriegsende vom Volksbund für Kriegsgräberfürsorge ermittelt. In Nordafrika allein wurden etwa 16000 Gräber des Afrikakorps auf 156 Friedhöfen festgestellt. Soeben ist ein Mitarbeiterstab der deutschen Kriegsgräberfürsorge nach Libyen abgereist. Unsere Mitarbeiter berichten von Soldatenfriedhöfen in Tunis und Ägypten.

uf der breiten Küstenstraße am Saum der Bucht sirren, von Tunis kommend, in rascher Folge die "Wagen der französischen Beamten und tunesischen Reichen nach Norden und verlieren sich im Gewirr der eitlen Vorstadtvillen, am Fuß der weißstrahlenden Kathedrale von Karthago. Immer aber streben zwei, drei Fahrzeuge hinauf zum Hügel von La Marsa. Eine repräsentative Auffahrt, ein schmuckes Wärterhäuschen, ein schlichtes Riesenkreuz auf der Anhöhe: der alliierte Militärfriedhof. Unter massiven Grabeinfassungen und prachtvollen Blumenrabatten ruhen Hunderte von Soldaten der alliierten Invasionstruppen von 1943.

t Der deutsche Soldatenfriedhof von Nassen liegt kaum fünfzehn Kilometer entfernt, abseits der lauten Küstenstraße von Tunis, auf der weiten, sonnenverbrannten Ebene an der alten Karawanenstraße in die Sahara. Das kalkige Weiß der Kreuze leuchtet schon von weitem aus dem kamelfarbenen Ödland dem Ankömmling entgegen. Zwei mannshohe Pfeiler halten ein schmiedeeisernes Tor, das als einzige Senkrechte beziehungslos über Gräberfeld und baumlose Fläche ragt. Damals, bei den Rückzugskämpfen des Afrikakorps senkten deutsche Soldaten an dieser Stelle die ersten aus ihren Reihen in die spröde Erde des fremden Erdteils. Aber daran erinnern nur noch die halb verrotteten Holzkreuze mit dem Hakenkreuz und der Jahreszahl 1939, die ich — unter Gras und Stacheldraht versteckt — am Ende der weitgedehnten Anlage entdeckte. In einer großzügigen Umbettungsaktion haben französische Armee und Generalresidenz inzwischen Hunderte von Feldgräbern in den einsamen Bergnestern und auf den Haifasteppen der Schotts ermittelt, und die Toten mit bewundernswerter Umsicht auf die Hauptfriedhöfe überführt, mehr als fünftausend Steinkreuze gesetzt und für Ausbau und Pflege der Anlagen gesorgt. Ein würdiger Epilog des Wüstenkrieges. Ausgebrannt, einem düsteren Gespenst gleich, hält ein abgeschossener deutscher Panzer die Toten wacht für die 1300 Gefallenen von La Mornaghia, dem zweiten deutschen großen Friedhof im Lande. War das alliierte Gräberfeld von La Marsa eine gartenpflegerische Extravaganz, herrscht hier das liebliche Chaos natürlichen flachen Ebene ringsum, drängen hier Zypressen und Eukalyptusbäume über die öde Horizontale hinaus. 1300 winzige Blechtäfeichen — die Daten der Gefallenen wie Telegrammtexte eingestanzt — wenige Stahlhelme, eidechsenbelebt, und nichts, was die Stille unterbräche; schon der eigene Schritt auf dem knirschenden Kiesweg scheint Einbruch in das Jenseits der Toten. Etwas Brütend Gehmes Hegt, über diesem Totenacker — unvergleichbar den kühlen Schauern nördlicher Friedhöfe. Und doch; hier begraben zu sein, äst Friede. Hans Eckehard Bahr Kairo, im November Alles ist ruhig, wenn man Alexandria, den lauten, geschäftigen Mittelmeerhafen, hinter sich gelassen hat und auf der asphaltierten Straße, der Küste entlang, nach Westen fährt. Langsam Hauptquartier war; ein Richtungszeichen mit d< Inschrift "Springbock Road" erinnert daran, da die Südafrikaner bis hierher kamen, und dan sieht man links, fern am Horizont, die Umrisiw des kleinen Bahnhofs von Alamein; kurz darauf ist man mitten auf dem so berühmten Schlachtfelde, das mit dem großen Friedhof der alliierten Armee und seinen 8700 Kreuzen beginnt. Man fährt langsam weiter, und schon sieht man rechts die berühmte Höhe 33 (Tel el Eisa), um deren Besitz so bitter gekämpft und so viel gestorben wurde, und an ihrem Fuße den deutsch italienischen Gemeinschaftsfriedhof mit mehr als fünftausend weißen Kreuzen. Man steht vor dem neuen weißgetünchten, weiten Arkadenportal, das rechts die italienische Inschrift, links das Eiserne Kreuz trägt, und geht hinein in den weiten Friedhof mit Gräberreihen und Kreuzen, so weit das Auge reicht. Viele Kreuze tragen die Innen Kreuze über kleinen Haufen von Sand — ohne Blumen, ohne Gras, ohne Strauch, ohne Baum — ist größer, keins kleiner als das andere. Auf der Höhe 33, die nun zu dem Friedhof gehört, hat man nun einen kleinen Turm in Form eines Schiffsbugs gebaut, der weit in die Wüste scheint; auf ihm haben Kadetten des italienischen Schulschiffes "Montecocculi" im vorigen Jahr die Standarte Rommels zusammen mit der italienischen Kriegsflagge uad der ägyptischen Flagge gehißt.

3000 deutsche Soldaten hegen hier m 2000 ihrer italienischen Kameraden; ungefähr 12 000 Italiener und 3000 bis 4000 Deutsche liegen noch irgendwo draußen in der Weite des Wüstenschlachtfeldes, sagte mir der italienische Graf Dominion!, der, als Bataillonkommandeur einer italienischen Fallschirmjägertruppe selbst Teilnehmer der Schlacht, heute Sorge um diesen Friedhof trägt, und dem die Mittel für alles, was hier geplant und durchgeführt wurde, bis heute fast ausschließlich von der italienischen Regierung zur Verfügung gestellt worden sind. Und noch immer harren Hunderte von Quadratkilometern der Arbeit, Am späten Nachmittag kommt eine leichte kühle Brise von der nahen See herüber — über die Gräber bis zu dem großen Kreuze in der Mitte der Friedhofsanlage. Unter diesem riesigen Kreuz ruhen die, deren irdische Reste man von überallher zusammengetragen hat, und von denen man nicht weiß, aus welchem Lande der Erde sie kamen; die Inschrift ihres Kreuzes lautet: "Sacrificio conjunctis nullum confinium" — "Die gemeinsam Geopferten trennt nichts " H. L. Kaster