Wir waren in die Irre gegangen und konnten uns glücklich preisen, noch vor Sonnenuntergang eine bewohnte Hütte zu finden. Die Hitze würgte. Eine dunkelglühende Frau war da. Ihre Haare, zu Zöpfen geflochten, glänzten wie zwei Mussurana-Schlangen. Während meine Leute das Zelt aufschlugen, ging die Frau Kaffee bereiten, den sie wenige Minuten später in einer Fruchtschale vorsetzte. Der Trank belebte den ausgelaugten Körper. Ich merkte, daß die Frau nicht mehr jung, aber schön war. Und mir fiel ein, daß nur ihre Augen sprachen. Unverständliche Wildnisworte.

Mit der Dämmerung kamen der Mann und die Söhne. Es waren Caboclos magere, zähe Grenzlandsiedler. Ich reichte Tabak, wegen der Moskitos. Wir kauerten auf den Fersen. Zwischen uns bewegte sich nur das Feuer. Der Flammenschein kroch dem Mann an die nackten Beine, schlich sich zögernd über entsetzliche Narben. Mein Blick war von ihnen gebannt. Ich muß, so wie ich dasaß, eine einzige stumme Frage gewesen sein.

Der Caboclo spuckte ins Feuer.

„Sim, Senhor – früher war hier das Leben noch schlimmer als jetzt. Wir hatten kaum Geld für Salz. Pulver und Blei waren Luxus. Ich ging mit dem Blasrohr auf Jagd.“

Er schwieg eine Weile, um zu sehen, ob ich folgte, Mein Tabak half weiter. Lächelnd tippte der Caboclo mit dem Saughalm seiner Bomba auf die zerfleischten Unterschenkel.

„Haben Sie schon einen Fahnenschweif-Ameisenbär gesehen?“ „Ja.“ „Wissen Sie, wie viele Krallen er hat?“ „Ich erinnere mich nicht.“ „An den Vorderpfoten vier, hinten fünf, so groß, hart wie eine Spitzhacke ... Das Vieh hockte plötzlich vor mir und breitete die Arme aus, – Ich lasse das Blasrohr fallen und stopfe eine Kugel, meinen ganzen Munitionsbesitz, in den Flintenlauf. Der Kerl sitzt immer noch da. Ich spanne den Hahn, lege an. Ein trockenes Knacken. Das Zündhütchen versagt. Der Bär scheint zu beten. Ich fingere am Flickbeutel herum, rufe den abseits schweifenden Hund. Da wirft sich die Bestie mit einem Riesensatz auf mich – ich sage Ihnen: so ein Fahnenschweif-Ameisenbär hat vorn vier, hinten fünf Krallen an jeder Pfote ... Wir kugeln zusammen durch Farnkraut und Spinnengewebe. Ich höre meine Haut knacken, das Fleisch knirschen. Ich denke: jetzt wirst du wahnsinnig vor Schmerz. Aus den Beinen weicht jedes Gefühl. Ich brülle: Perereca, Satan, Mutter Gottes! Doch die endlos lange, klebrige, ekelerregende Zunge des Bären schlabbert mir in Rachen und Nase. Ich spucke. Ich röchle. Ein jaucheartiger Saft sickert durch meine Speiseröhre. Unter allen Griffen und Windungen flackert nur ein Gedanke: nicht das Augenlicht verlieren!“

„Und weiter?“