In Paris

Als in der vorigen Woche der Pariser Herbst-Salon eröffnet wurde, erschien die Polizei und entfernte sieben von den etwa tausend Bildern der Ausstellung. Es handelte sich um eine Art Zensurmaßnahme, denn die Regierung war der Auffassung, daß diesesieben Bilder eher der kommunistischen Propaganda dienten als der Kunst. Der Fall erwies sich als schwierig, weil die französische Regierung kein Recht hat, Zensurmaßnahmen in Kunstausstellungen zu ergreifen. M. André Cornu. der zuständige Staatssekretär für die schönen Künste, war denn auch das Ziel heftiger Angriffe in der Auseinandersetzung, die sich in der Pariser Öffentlichkeit an den Vorfall schloß.

Schließlich ließ die Regierung die sieben Bilder nochmals prüfen und erlaubte dann, daß zwei von ihnen wieder im Herbst-Salon ausgestellt wurden. Das eine heißt „Die gute Gesundheit von Maurice Thorez“ von Jean Milhud und das andere „Mai-Parade“ von Marie-Anne Lansieux.. Seitens des Staatssekretariats für die schönen Künste wurde erklärt, die Entfernung der sieben Bilder von der Ausstellung sei nach Auffassung der Regierung berechtigt, weil die Ausstellung in einem städtischen Gebäude und mit finanzieller Unterstützung der Regierung stattfindet und daher kein Ort sein kann für Propagandabemühungen, die in direktem Gegensatz zu den Absichten der Regierung stehen. Unter den von der Ausstellung ausgeschlossenen Bildern habe sich zum Beispiel eines mit dem Titel „Keine Schiffe für Indochina!“ befunden und ein anderes, das zeigt, wie eine Gruppe von Menschen in die Rüstungsfabriken hineinwankt, die für den indochinesischen Krieg arbeiten.

Die Auseinandersetzung scheint aber auch durch die Rückgabe der beiden Bilder nicht beendet zu sein. Die verbotenen fünf Bilder sind seither im Salon Danielle-Casanova in der Rue d’Astorg zu sehen. W. F.

Und in Westdeutschland –

In Berlin grollt man dem deutschen Westen, weil er die künstlerischen Sendboten der Sowjetzone mit so offenen Armen begrüßt. Es handelt sich dabei insbesondere um die Dresdener Philharmoniker, die jüngst mit ihrem ständigen Dirigenten Heinz Bongartz das Bundesgebiet bereisten. Im Augenblick befindet sich das Leipziger Gewandhausorchester unter Franz Konwitschny auf einer Kunstreise durch Westdeutschland.

Sehr viele Menschen in unseren relativ normalisierten Zonen können und wollen es nicht begreifen, warum es ihnen verübelt werden soll, wenn sie den deutschen Künstlern von jenseits des „Vorhangs“ ihre persönliche Sympathie und ihre sachliche Anerkennung bezeugen. Sie meinen: „Kunst hat nichts mit Politik zu tun“, und glauben, gerade mit der Beherzigung dieses Satzes zur Lüftung und Lockerung des „Eisernen Vorhangs“ beizutragen.