Von der „Weltgeltung des deutschen! Doktorgrades“ sprach der Vorsitzende der Westdeutschen Rektorenkonferenz D. Dr. Helmuth Thielicke, Rektor der Universität Tübingen, in einem Schreiben an den Niedersächsischen Kultusminister. Der Grund des Schreibens: den westdeutschen Rektoren war zu Ohren gekommen, daß man die Absicht hege, der Wilhelmshavener Hochschule für Arbeit, Politik und Wirtschaft die Rechte zu einer vollen Diplomprüfung und zur Verleihung des Doktorgrades zu geben.

Dies gab einen Sturm in der Versammlung der Magnifizenzen. Sie sahen den letzten Rest einer Universität litterarum, die letzte Möglichkeit, dem homo sapiens den Rücken gegen den homo faber zu stärken, verschwinden: wenn immer mehr Fachschulen – so argumentierte Professor Thielicke, die Möglichkeit erhalten, Akademiker voll auszubilden, dann ist es mit dem Akademiker im alten Sinne vorbei.

Damit hat Professor Thielicke sicher recht. Eine andere Frage ist, ob jene Institute, für die er sprach – die Universitäten nämlich – selbst noch in der Lage sind, gemessen an dem Maßstab jenes Briefes, den Doktorgrad zu verleihen. Denn ist der Lehrbetrieb der deutschen Universitäten – heute, sechs Jahre nach Beendigung des Krieges und nach manchem Versuch, wieder in eine verbindliche Weise der akademischen Ausbildung vorzustoßen – nicht problematischer denn je? Davon allerdings steht in jenem Brief an den Kultusminister nichts. Und so fragt man sich unwillkürlich, ob in einer Zeit, in der das Universitätsstudium noch immer – und immer mehr – zum Fachstudium wird (denn die Mediziner zum Beispiel macht man nicht zu Akademikern, wenn man ihnen eine Pflichtvorlesung Philosophie aufbürdet), ob in einer solchen Zeit nicht einer Hochschule wie der zu Wilhelmshaven, die sich mit so wirklichkeitsnahen Themen wie Politik und Arbeit beschäftigt, jenes Recht zur Promovierung verliehen werden soll. Denn was ein frischgebackener Doktor aus Wilhelmshaven einmal wissen wird, das weiß man noch nicht. Was aber ein junger fertiger Akademiker aus Göttingen oder Tübingen heute alles nicht weiß, das weiß man bald sehr genau.

Wer im Glashaus sitzt ... manchmal sind alte Sprichwörter eben doch Wahrheiten. Was aber die „Weltbedeutung des deutschen Doktorgrades“ betrifft, die nach Professor Thielickes Aussage vor zwanzig Jahren und noch früher bestanden haben muß, so ist es besser, mit diesen Worten vor jungen Studenten vorsichtig zu sein: denn die haben im Laufe ihres Studiums in so manche Dissertation von damals hineingesehen, über deren Niveau sie den Kopf schüttelten. Jetzt, viele Jahre danach, kann man’s doch zugeben: auch in der guten alten Zeit haben einige Doktoranten nur mit sehr trübem Wasser gekocht. P. Hühnerfeld