Die Weisung des Bundesfinanzministers, wonach, bis 31. März 1952 vorläufig begrenzt, die Hauptzollämter auf Antrag 7 v. H. Banderolenkredit gewähren dürfen, ist theoretisch zwar eine interne Anordnung, praktisch aber ist sie überall bekanntgeworden. Heute wird diese Erleichterung der prekären Lage der Zigarettenproduzenten von rund 20 v. H. der Firmen in Anspruch genommen, wenn man sich dabei auch, genauer gesagt, nur dem Staat verschuldet, folglich wenig Vorteile einhandelt. Im Dezember/Januar werden auch die größeren Firmen – einschließlich der „Big Five“, die 88 bis 90 v. H. der in Deutschland hergestellten Fabrikzigaretten produzieren – diesen Kredit in Anspruch nehmen müssen. Damit wird dieses Behelfsventil eine Wirkung erhalten, die nicht. übersehen werden kann. Treibt nämlich der Bundesfinanzminister zum März-Ultimo diese Steuerschulden ein, so wird die schon jetzt nicht geringe Illiquidität in der Zigarettenindustrie Formen annehmen, die mit einer „Erlösberichtigung“ nicht mehr zu beseitigen sind. Erlösberichtigung heißt ja nur, daß bei fest gebliebenem Endpreis und fest gebliebenem Steuersatz und gestiegenen Produktionskosten der Fabrikant durch eine irgendwie geartete Subvention über Wasser gehalten werden soll. Heute existieren nur noch 56 Zigarettenfirmen gegen 90 vor zwei Jahren. Praktisch arbeiten aber nur 36 Unternehmen, und keines von ihnen nutzt die vorhandene Kapazität aus. Daß es sich hier um eine strukturelle Übersetzung handelt, ist unbewiesen. Erst wenn der Bundesfinanzminister einen Zigarettenpreis zuläßt, der der Kaufkraft entspricht, wird sich eine Strukturuntersuchung lohnen. Eine Folge des Existenzkampfes der Zigarettenindustrie ist die Markeninflation. 118 Sorten werden gegenwärtig angeboten. Könnte der wieder zunehmende Schmuggel, der sich jetzt auf rund 15 v. H. des Zigarettenumsatzes in Deutschland beläuft, bekämpft werden, dann wäre die Lage günstiger.

Andererseits bestehen gegenwärtig – nicht unüberwindliche – Rohstoffsorgen: Orienttabake, die man schon in der hier gefragten Virginia-Blend-Mischung in Größenordnung bis zu 40 v. H. verarbeitet, werden zur Genüge angeboten. Die Bezahlung der dringender notwendigen US-Tabake bereitet dagegen Schwierigkeiten; ein großer Prozentsatz der Virginia- und Burley-Tabake wird in Kompensationsgeschäften erworben, denn ECA-Dollar sind knapp, und Guthaben dort müssen vorwiegend zur Abdeckung bestehender Schulden verwandt werden. Sechs Millionen freie Dollar sind aber in Aussicht gestellt, und über einen weiteren Tabak-Dollarbetrag über die Export-Importbank soll verhandelt werden. Dabei werden Virginia-Tabake ausreichend angeboten. Es ist also ein Wertproblem, während es sich im Griechenland- und Türkei-Verkehr um ein Mengenproblem handelt. Die Waffe offizieller Versprechungen und Dementis ist gegenüber diesen Ländern abgestumpft. Das Rohstoffproblem wird nur dann gelöst werden, wenn der deutsche Markt mehr Orient-Tabake abnehmen und diese Tabake stärker als Virginia oder Burley verwenden kann. Das aber heißt, daß die leichtere Zigarette im Bundesgebiet mehr gefragt sein muß als bisher. -n.