Zweimal hat Deutschlands Eishockey-Mannschaft vor einigen Tagen verloren: mit 1:15 und 5:8 gegen Schweden. Und es zeigte sich: nach langen Jahren ohne internationale Begegnungen ist das deutsche Eishockey noch nicht wieder konkurrenzfähig. Aber kommt es nicht bei diesem Sport, noch mehr als bei anderen, darauf an, daß er betrieben wird und weniger, ob man nun gewinnt oder verliert...?

Als vor vielen Jahren mit einer Wiener Eishockeymannschaft der Kanadier Blake Watson nach Berlin kam, bezauberte er die Besucher des Sportpalastes durch sein herrliches Spiel. Watson war mit einem Schlage ein Begriff geworden, Hervorragende Schnelligkeit, katzenartige Gewandtheit, fabelhafte Schußsicherheit, in Taktik und Technik unerreicht. Er war der Beherrscher des Spiels, der König auf dem Eise, und wenn er tief geduckt die kleine Scheibe von dem einen Ende der Bahn zu dem anderen hinüberdribbelte, durch keinen Gegenspieler sich beirren ließ, alle Klippen schlau umschiffte – dann tobte der Sportpalast von der Tribüne bis zur Galerie. Ich glaube, Blake Watson mit seinem Spiel hat. in Berlin den Grund zu der großen Popularität des Eishockeys gelegt.

Man weiß nicht sicher, wo Eishockey „erfunden“ wurde, ob es in Irland, Schottland, Frankreich oder Holland sich aus dem Hockeyspiel entwickelte oder aus dem kanadischen (nordamerikanischen) Eiscachet der Indianer. Hockey war schon im alten Griechenland ein beliebtes Hirtenspiel. Der Name Hockey heißt ja „Krummstock“. Fest steht aber, daß das Eishockey, so wie wir es heute spielen, in Kanada entwickelt wurde, und zwar zuletzt aus dem europäischen Bandy, dem aufs Bis verpflanzten Landhockey mit seinen elf Spielern, dem Ball, dem Tor, einer Feldlinie und dem „Aus“.

Der starke Schneefall machte oft ein Spielen im Freien unmöglich, und so verlegte man das Bandy schon frühzeitig in die Halle oder überdachte einen Teil der natürlichen Eisfläche und schuf so das kanadische Eishockey, das dann in Zukunft auch in der Form im Freien weitergespielt wurde. Statt des Balles nahm man eine Scheibe, statt elf Spieler deren sieben auf das verkleinerte Feld, das „Aus“ schaffte man ab, die an der Bande anschlagende Scheibe blieb immer im Spiel, auch das Tor stand in der Bahn und konnte umspielt werden. Nur, wenn die Scheibe ins Tor flog oder ein Fehler gerügt wurde, gab es eine kleine Pause.

Vielleicht hatte sich hierbei schon der amerikanische Geschmack bemerkbar gemacht, der in allen Spielen Tempo liebt und Kampf. Schonung der Spieler kennt man dort ebensowenig wie Schonung der Zuschauer. Wenn zu viel Männer auf einem kleinen Felde sind, dessen Ausmaße durch die Größe der Halle bedingt sind, dann hindern sie sich und lassen ein flottes Spiel nicht aufkommen. Deshalb ging man auch von den sieben Spielern ab, warf den „rover“ (Räuber) heraus, der zwischen dem Sturm und der Verteidigung stand und dessen Aufgabe es war, im Trüben zu fischen, was schon sein Name sagte.

Auch ein Abseits kannte man zunächst nicht. Jeder konnte jedem zuspielen, woher und wohin er wollte, bis direkt vor das Tor. Auf die Abseitsregel kam man erst, weil man schließlich auch Schlittschuhlaufkunst haben wollte, denn die Feinheit des Laufens litt selbstverständlich unter dem Tempo, und darunter litt auch die Schönheit des Spiels.

Nun war das ganze Bild bewegt. Die Schnelligkeit strengt an, ermüdet. Abgerackerte Kämpfer mußten ersetzt werden. Man gestattete zwei Auswechselspieler, die nach Belieben einspringen durften. Auch das war noch zu wenig, zumal wenn man den Sturm geschlossen frisch erhalten wollte. Man führte drei Ersatzspieler ein, und so tobte dann das Spiel ununterbrochen vom ersten Einwurf bis zum letzten Schuß. Die Berufsmannschaften (und bis 1928 etwa auch die amerikanischen Universitäts-Teams) traten sogar mit einer vollständigen Mannschaft als Auswechselspieler an. Zwölf Mann gehörten da also zu einer Mannschaft, und wer nur eine Ermüdung veispürte, konnte pausieren,

Bei den kommenden Olympischen Winterspielen, die in der zweiten Hälfte des Februars in Oslo stattfinden, werden sich voraussichtlich 15 Nationen am Eishockey beteiligen. Ob die Kanadier, die lange eine unbestrittene Vorherrschaft ausübten, die aber 1948 in St. Moritz ins Winken geriet, an ihre großen Erfolge wieder werden anknüpfen können, ist durchaus offen. Es kann leicht zu einer neuen großen Überraschung kommen, vor allem, wenn die Tschechoslowaken, deren Meldung bislang allerdings nicht vorliegt, antreten werden. Das letzte Mal mußten sie sich nur auf Grund des schlechteren Tonwert hältnisses mit der Silbermedaille begnügen. Von den Ländern hinter dem Eisernen Vorhang hat sich bis jetzt nur Bulgarien gemeldet. Für die Kämpfe selbst hofft man ein ganz neues Stadion, Jordal Amfi, noch rechtzeitig fertigstellen zu können. Die Chancen unserer Spieler, die in Oslo auch dabei sein werden, darf man nicht nur nach ihren Niederlagen gegen Schweden abwägen. Bis zum Februar sind noch drei Monate, da kann sich manches ändern. W. Kleffel