Des kleinsten westdeutschen Senders – Radio Bremens – Stimme hatte schon zu Zeiten, da sie nur 2 kW stark war, Klang in Europa; seit Mitte Oktober ist sie mit 20 kW wenigstens im Norden und Westen auch hörbar. Nicht zuletzt liegt die Güte des Programms in seiner Kontinuität; den „Internationalen Wochen“ des letzten Jahres, die Holland, England und Belgien in Wort und Musik nahebrachten, folgte nun als vierte eine „Schweizer Woche“: funkisches und kulturpolitisches Vorbild in einem.

Bei qualitativ hohen Einzelsendungen lag der Akzent doch mehr auf der Ausgewogenheit des Programms. Hörfolgen aus dem Leben der vier Volksgruppen, Szenen aus der Chronik des Züricher Theaters wechselten mit (nicht nur gejodelter) Volksmusik, Sonatinen von Honegger; von Bremen kam Schwyzer Funk für Kinder und Frauen; Dialektproben führten in die Sprache, Kabarettsendungen in den Humor des Landes ein. Eigens für den Funk schrieb Sutermeister seihe Radiooper „Die schwarze Spinne“ (nach Gotthelfs Novelle), und es gab eine reizvolle Begegnung mit Kellers Geschichte „Kleider machen Leute“, deren sparsame szenische Lockerung den behäbig-erzählenden Ton wahrte. Je zwanzig abgestimmte Wort- und Musikstunden – so sieht ein geplantes Programm aus.

Die „Schweizer Woche“ lief, zur Hälfte jedenfalls, unter Regie der „Abteilung Wort“; daß hoher Stand und innere Folge der Sendungen auch sonst im Funkhaus des Intendanten Walter Geerdes üblich sind, zeigt Radio Bremens „Jahrbuch 1950/51“. Als Beispiel sei hier nur der Bericht der „Abteilung Hörspiel“ angezogen, der dank Gert Westphals Leitung schon ein „Bremer Hörspielstil“ zugelobt wird. (Diese Abteilung umfaßt gerade einen Dramaturgen und eine Sekretärin!) Autorennamen wie Eliot („Familientag“), Gide, Lorca bildeten keine Minderheit; im Programm erschienen sie nicht wahllos hintereinander, sondern thematisch aufeinander bezogen, so daß mit den Wochen auch ein geistiger Disput ablief.

Die kontinuierliche Leistung dieser und anderer Abteilungen kam trotz geringster Mittel zustande; denn Radio Bremen erhielt Gebühren nur von den 167 349 Hörern, die im 14-km-Umkreis wohnen; und der NWDR, dem die übrigen fünf Millionen Hörer der Britischen Zone Tribut zollen, strich seit dem 1. April 40 000 DM Ausgleichszahlung. Doch David erschlug den Goliath. – Bremen besetzte die „Gruppe Sendung“ doppelt so stark wie die „Gruppe Verwaltung“, ließ sich das Programm 56,6 Prozent, Sekretäre und Aktenschränke indes nur 14,7 Prozent kosten.

E. P. M.