Der amerikanische Generalmajor der Reserve George H. Ohmstedt ist in Zivil Präsident von vier Versicherungsgesellschaften in seiner Heimatstadt Des Moines im Staate Iowa. In Uniform leitet er im Verteidigungsministerium zu Washington das allmächtige „Amt für militärische Unterstützung“, das die Durchführung des militärischen Hilfsprogramms der USA im Ausland überwacht. Vor kurzem hielt General Ohmstedt es für erforderlich, in einer Pressekonferenz gegen die weitverbreitete Auffassung zu protestieren, daß die Verschiffung von US-Waffen nach Westeuropa hinter dem Programm erheblich zurückgeblieben sei. Auf Grund des Waffenhilfsprogramms, so sagte Ohmstedt, wurden bis zum 31. Oktober dieses Jahres nach Europa, dem Nahen Osten, Afrika und Asien folgende Waffen geliefert: 1185 Flugzeuge, 219 Schiffe und Fahrzeuge für die Kriegsmarine, 6907 Panzer und Tankwagen, 10 679 Geschütze, 643 369 Maschinengewehre und Kleinwaffen. Der Wert der gelieferten Waffen für Europa betrage 1,02 Milliarden Dollar, für Afrika und den Nahen Osten 182,5 Millionen Dollar und für Asien und pazifische Länder 180 Millionen Dollar. General Ohmstedt gab auf der Pressekonferenz zwar zu, daß Produktionsschwierigkeiten, Knappheit an einigen Rohstoffen und die hohe Rate der Materialverluste in Korea dazu geführt hätten, daß einige Waffenlieferungen nicht planmäßig erfolgt seien. Aber trotzdem „sind wir den Terminen voraus, die wir dem Kongreß angegeben haben.“

Der Vorsitzende des zuständigen Senatskomitees Senator Lyndon B. Johnson, ist nicht ganz dieser Meinung. Er erklärt vielmehr, General Ohmstedt habe im Gegensatz zu seinen Erklärungen auf der Pressekonferenz vor einigen Wochen dem Komitee einen detaillierten Bericht „über den Zusammenbruch der Waffenlieferungen nach Europa gegeben“. Als der General dann über seine offenbar doch sehr widerspruchsvollen Angaben vor Presse und Senat befragt wurde, gab er zur Antwort, daß beide Informationen „korrekt“ wären. Der Unterschied bestünde lediglich darin, daß er in seinen Berichten von verschiedenen Terminplänen ausgegangen sei. Nun – und das ist einstweilen der letzte Akt der Komödie – ergriff wieder Senator Johnson das Wort. In einem Beschwerdebrief an den Verteidigungsminister Lovett attackierte er nicht nur die seltsame Berichterstattung des Generals Ohmstedt, sondern er beschuldigte ihn auch der öffentlichen Preisgabe von geheimzuhaltenden militärischen Angaben.

Vorläufig kann Europa solchen amerikanischen Auseinandersetzungen noch lächelnd zusehen, aber es taucht doch schon die Frage auf, ob wohl die militärische Europaversicherung des Generals Ohmstedt ebenso solide ist wie seine zivilen Versicherungsgesellschaften im Staate Iowa.

Ernst Krüger