Veranstalter und Redner konnten mit dem Erfolg des Abends wohl zufrieden sein, als Christian Fette, der Vorsitzende des DGB, vom Übersee-Club nach Hamburg eingeladen, im Großen Saal des Atlantic-Hotels über politische, wirtschaftliche und wirtschaftspolitische Tagesfragen sprach. Ob aber die mehr als 900 Zuhörer voll auf ihre Rechnung gekommen sind, läßt sich nicht ganz so eindeutig feststellen: speziell das, was Fette zur Außenhandelspolitik sagte, war in sich widerspruchsvoll, da seinem „Ja“ zur Liberalisierung das „Aber“ beigegeben war, man müsse die Einfuhr zielbewußt-planvoll lenken. Nicht viel schlüssiger, weil gleichfalls nicht ohne innere Widersprüche, war die Stellungnahme des Redners zu dem Vorwurf, daß der DGB einen ständigen Druck auf Regierung und Parlament ausübe. So bestimmt Fette es formulierte, daß der Gewerkschaftsbund „immer die Gesetze, respektieren werde, die ein vom Volk gewähltes Parlament verabschiedet hat“, und so bestimmt er den Vorwurf zurückwies, es sei von DGB-Seite her ein Druck auf Bonn ausgeübt worden, so bekannte er sich doch ganz und gar zu den Maßnahmen seines Vorgängers Böckler: „...hätte ich damals schon an seiner Stelle gestanden, so würde ich nicht anders gehandelt. haben als er.“

Immerhin, und insofern sollte die gute Absicht nicht verkannt oder als bloße Taktik gewertet werden: Der Ton des Vortrags war versöhnlich, auf Ausgleich gestimmt. Soweit also unterschieden sich die Schalmeienklänge, die man in Hamburg zu hören bekam, doch recht wohltuend von den Münchener Paukenschlägen des DGB-Sprechers Max Wönner, der seinerzeit den Bundesjustizminister Dr. Dehler herausforderte. n. f.