Wenn man in Florenz die größten Kostbarkeiten sucht, etwa Masaccios Fresken in der Kirche Santa Maria del Caroline, so braucht man nur den amerikanisch sprechenden Negern mit den hochintelligenten feinen Köpfen oder den deutschen Touristen mit den leuchtend roten Baedekerbänden in der Hand nachzugehen, um an das erstrebte Ziel zu kommen. Die deutschen Touristen fallen noch immer dadurch auf, daß sie dem oberflächlichen snobistischen Sightseeing-Stil nicht verfallen, sondern eingehend mit dem Reisen beschäftigt sind, wobei der gründliche Baedeker ihnen hilft.

Vor 150 Jahren wurde Carl Baedeker geboren. Sein Name wurde ein internationaler Begriff, weil er und später seine Söhne, Enkel und Mitarbeiter keine Mühe scheuten, Tunnel und Treppen zu zählen, Gasthöfe und Restaurants auszuprobieren, liebevolle Ratschläge und sanfte wissenschaftliche Belehrungen niederzuschreiben. Noch heute kann man getrost mit einem Baedeker-Band von 1911 nach Italien reisen, man findet nach den ausgezeichneten Karten und Beschreibungen nicht nur die Landschaften, Städte und Plätze, sondern kann sich als Fremder auf die Auswahl der Sehenswürdigkeiten mit den bespotteten und dennoch gerühmten Baedeker-Sternchen durchaus verlassen.

Von dem heutigen Herausgeber Carl Baedeker, der Leipzig verließ und sich in der Nähe von Hamburg niedergelassen hat, sind schon wieder die Deutschlandbände: Berlin, Leipzig, Frankfurt a. M. (auch in englischer Sprache), Hamburg und die Niederelbe, Stuttgart, München (auch englisch), Nordbayern (auch englisch) und Schleswig-Holstein neu bearbeitet herausgebracht worden. Mit Sorgfalt wird darin ein Überblick darüber gegeben, was durch den Krieg zerstört und was schon wieder aufgebaut wurde. Als erster Reiseführer in das Ausland ist der Band „London and its Environs“ erschienen. Und wieder erfüllen die Baedeker-Bände ihren beabsichtigten Zweck, „dem Reisenden Zeit, Verdruß und Geld zu sparen und den Horizont erweitern zu helfen.“ em