Von Maggy Rouff

Wenn ein Pariser Couturier über die Kunst sich anzuziehen spricht, wird man hinhören. Maggy Rouff gibt in ihrem Lebensbericht „Philosophie der Eleganz“, der jetzt auch in deutscher Sprache im Prestel-Verlag München (mit glücklich ergänzenden Tuschzeichnungen des Münchener Malers Conrad Westphal) herausgekommen ist, mit blitzendem Charme und liebenswürdiger Leichtigkeit temperamentvolle Anleitungen zum guten Geschmack. Sie plädiert dafür, ihn in geplanten Schulstunden zu üben denn wären wir sicherer darin, es gäbe „keine trostlosen Städte, keine häßlichen Zimmer keine beleidigenden Denkmäler und keine schlecht angezogenen Frauen mehr“. Sie meint nicht die Extravaganz, die nur zu leicht Karikatur und Verkleidung ist, nicht den Aufwand, sondern die beseelte Harmonie, mit der die Frauen auf ihre Umwelt wirken sollen. Und sind ihre manchmal geschliffenen, manchmal oberflächlich hingeplauderten Bonmots auch gelegentlich Binsenwahrheiten, so gibt das Urteil der Expertin selbst ihnen Gewicht.

Durch ihren glühenden Eifer schön zu sein, hat die Frau die ganze Welt vor Einförmigkeit bewahrt.

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Sich ohne Charakter – ohne persönliches Gepräge – anziehen, das heißt, nur bekleidet sein. Bekleidet ist noch lange nicht angezogen.

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Um sich gut anzuziehen, muß man vor allem sich selbst gut kennen. Und was nützt es, vor sich selbst seine eigenen Fehler zu leugnen? Man sollte damit beginnen, sie immer wieder zu erkennen. Es ist dann unsere Kunst, sie vor den andern zu verbergen oder gar sie in äußere Vorteile zu verwandeln. Aber jede Kunst verlangt Unterscheidungsvermögen, oft Mut, ein aufmerksames Studium und eine strenge Selbstkritik. Man muß sich tapfer seinem Spiegelbild stellen und hineintauchen wie in einen bittern Quell der Wahrheit.