Die Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände hat sich auf ihrer repräsentativen Mitgliederversammlung in Köln – in Anwesenheit von Bundespräsident Prof. Heuss, zweier DGB-Vorstandsmitglieder und des DAG-Vorsitzenden Rettig – eingehend mit dem Thema des „sozialen Friedens“ beschäftigt, wobei der stellvertretende Generaldirektor des Internationalen Arbeitsamtes, Jef Rens, die Bemühungen der internationalen Arbeitsorganisation auf diesem Gebiete behandelte. Die Wahl des Themas besagt ja wohl, daß augenblicklich zwischen den „Sozialpartnern“, als den Verantwortlichen für diesen Frieden, noch keine Übereinstimmung über den erwünschten Friedenszustand besteht. Bundestagspräsident Dr. Ehlers erinnerte auf der Tagung an die Gründe für diese Divergenz: Auf den Trümmern der Gemeinschaft sei die Solidarität der Klasse gewachsen. Die Herbeiführung des sozialen Friedens bedeute also eine Absage an den Klassengedanken, der offenbar noch immer die Zusammenarbeit zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern erschwere. Sollte aber aus Gründen einer größeren staatspolitischen und wirtschaftspolitischen Solidarität zwischen den Unternehmern und Arbeitern die Überwindung des Klassengedankens gelingen, so seien die Arbeitgeber – unter der Voraussetzung des Gleichgewichtes der Kräfte – wohl bereit, ein richtig verstandenes, das betriebliche Eigenleben von außen nicht beeinflussendes inner- und überbetriebliches Mitbestimmungsrecht zu akzeptieren.

Der wiedergewählte Vorsitzende der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände, Dr. Raymond, warnte in diesem Zusammenhang allerdings vor der Doppelrolle der gewerkschaftlichen Bürokratie, die einmal Anwalt der Arbeiterschaft sein wolle und zugleich für sich die Rolle einer zentralen Kontrollinstanz über die Wirtschaft und das gesamte innerstaatliche Leben beanspruche. Überhaupt sind die Arbeitgeber der offenbar richtigen Meinung, daß man die Verwirklichung des sozialen Friedens nicht mit starren Mitteln erreichen kann; der eigengesetzlichen Dynamik der Wirtschaft soll genügend Spielraum gelassen werden. Dies gilt sowohl für das Tarifwesen, wie für die Selbstverwaltung in der Sozialversicherung wie auch für die Lohnfrage. Dr. Raymond erinnerte in Köln mit Recht daran, daß bei aller Anerkennung des Anteils, den die Gewerkschaften an der fortschrittlichen sozialpolitischen Entwicklung haben, dennoch die vielen über den Lohn hinausgehenden Mehrleistungen an sozialer Fürsorge ausschließlich auf den freien Entschluß der Unternehmer zurückgingen. Diese Tatsache, zu der auch die Tendenz zur Ertragsbeteiligung gehört, trägt mindestens ebensoviel zur Besserung des Verhältnisses zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern auf „betrieblicher Ebene“ bei, wie jede offizielle Lohndebatte zwischen den ungleich stärker gebundenen Sozialpartner-Organisationen. Dürbaum