Salzburg, Ende November

Auch im November rollen auf den österreichischen Straßen noch die schweren amerikanischen Wagen. Auch im November wird in den Hotels noch englisch, französisch und italienisch gesprochen. Für diese Gäste lebt die Saison weiter, und wer weiß, ob sie nicht gerade die richtige Zeit für ihren Ferienaufenthalt in Österreich gewählt haben: ohne Festspiele, ohne Hochbetrieb an den Seen und in den Städten.

Die österreichischen Hoteliers waren mit dem Ergebnis der Hauptsaison durchaus nicht zufrieden. Aber waren sie das je? Jedenfalls waren sie zumindest glücklich darüber, daß die Deutschen wiederkamen. Seit August nämlich ist die Grenzabfertigung für Reisende aus Westdeutschland spürbar vereinfacht worden: ein Stempelabdruck in den deutschen Reisepaß berechtigt zu einem Aufenthalt in Österreich von vier Wochen. 900 000 Übernachtungen von Deutschen wurden in den ersten neun Monaten dieses Jahres in Österreich gezählt, damit ist der Stand von 1937 schon wieder erreicht. Am häufigsten aber kommen Engländer – dann Franzosen, Holländer, Schweizer und Italiener.

Freilich ist auch Österreich in diesem Sommer von der Invasion der Autobusse nicht verschont geblieben. Die „Kollektivtouristik“ hat ja in Europa überall – an der Riviera, in den Pyrenäen, am Rhein oder in der Schweiz – einen ganz neuen Akzent in den Fremdenverkehr gebracht. Spötter erfanden dafür die Bezeichnung „Veredelter Rucksackverkehr“. Und dieser Rucksackverkehr hat seine zwei Seiten: zwar werden dem Fahrgast Städte, Landschaften, Sehenswürdigkeiten und sogar das Hotelbett ohne eigene Initiative serviert, aber gerade dadurch wird seine eigene Entdeckerfreude gelähmt.

Den Ruf, das billigste Reiseland Europas zu sein, mußte Österreich an Spanien abtreten. Und doch wird man auch in der kommenden Wintersaison in Österreich noch sehr billig leben können. Gasthöfe in Vorarlberg, in Tirol oder im Salzkammergut bieten bereits für 20 bis 25 Schillinge eine gute Pension. Für 30 Schillinge – also für 5 DM – kommt man in bescheidenen Hotels schon unter. Die Kurkommission von Bad Ischl hat beschlossen, vom 1. November bis 30. April verbilligte Pauschalkuren einzuführen. Andere Bäder wollen dem Beispiel Ischls folgen.

Willy Wenzke