Rlt., Düsseldorf, Anfang Dezember

Nach mehr als dreijähriger Pause läuft in Westdeutschland wieder das Bunaband. Es ist nur eine kleine Prise, die der Bundesrepublik zugebilligt wurde, mit 500 t im Monat oder 6000 t im Jahr (gegen einst 170 000 bis 180 000 t). Damals stellte Deutschland 80 bis 90 v. H. der Weltproduktion her; heute darf es wegen der inzwischen allenthalben erkannten gewaltigen Bedeutung des Produkts Buna nur 0,6 v. H. der Welterzeugung (über 1 Mill. t im Jahr) machen. Die USA haben den Löwenanteil mit rd. 800 000 t.

Daß 500 Monatstonnen eine wirtschaftlich uninteressante Angelegenheit für ein Werk sind, das einst 45 000 Jahrestonnen Buna-Kapazität besaß, ist klar. Die Ohemische Werke Hüls GmbH, Marl bei Recklinghausen, sieht dabei aber nicht nur die neuerlaubten rd. 10 v. H. ihrer ehemaligen Beschäftigung, sondern die erfreuliche Möglichkeit, auf diesem deutschen Forschungsgebiet wieder arbeiten zu dürfen. Sie hat inzwischen einen Erweiterungsantrag auf 1500 bis 2000 Monatstonnen gestellt.

Die Außenhandelsbilanz sieht monatliche Importe von rd. 7500 t Naturkautschuk vor, neben rd. 50 t des knappen Buna aus den USA. Gemessen am Kautschukimport sind die 500 Tonnen also nicht viel – verglichen mit dem Buna-Import aber immerhin eine Verzehnfachung. Bedeutsam ist, daß an Bayer-Leverkusen monatlich 100 t Butadien, dem Ausgangsstoff für Buna, gehen, woraus dort 100 bis 120 t von dem öl-, hitze- und benzinfesten Perbunan, ungemein wichtig für alle Motoren und Maschinen, erzeugt werden. Auch in dem modernen, erst 1938/39 angelegten Werk in Marl wurden noch nach der Währungsreform die Buna-Anlagen demontiert, wobei 14 von den 18 Butadienöfen in den Schrott gingen. Doch nun läuft wieder über eine Straße das milchweiße Bunaband. IG-Professor Baumann hegt große Hoffnungen und hält neue umwälzende Verfahren in der Tasche, die er mit den Amerikanern zusammen auswerten möchte. „Wir werden damit die Rentabilität der Bunaproduktion erheblich steigern können, und selbst wenn Kautschuk im Weltmarktpreis von jetzt 4,66 DM je Kilo um v. H. nachgibt, werden wir noch unterbieten können.“ Umstellung von Kohle auf Erdöl und Erdölrückstände gehöre mit in das „Geheimnis“. Wenn man bedenkt, daß heute für eine Tonne Buna acht Tonnen Kohle notwendig sind, so ist das ein Wort. Denn: „angesichts der Entwicklung der Kohlepreise ist das bisherige Verfahren in Hüls überholt, und wir müssen uns auf modernste Grundlagen umstellen, was etwa 15 bis 20 Mill. DM kostet“, war in diesem Zusammenhang zu hören. Hüls, eine Gemeinschaftsgründung von Hibernia und IG Farben, ist eng mit Leverkusen (Farbenfabriken Bayer) verflochten, doch ist bei diesem einen der ehemaligen drei Buna-Werke (Schkopau bei Halle und BASF in Ludwigshafen waren die anderen) die gesellschaftsrechtliche Zukunft noch unklar. Der Gesamtkomplex der Chemischen Werke Hüls Der 10 000 Mann Belegschaft) dürfte einen Zeitwert von rd. einer halben Milliarde haben; er steht also auch größenmäßig mit in der Spitzengruppe der deutschen Industriewerke.