Rlt., ’Aachen, Anfang Dezember

Bundesfinanzminister Schäffer sei dank seiner festen Steuerpolitik der Bürge des neuen deutschen Spargroschens, und die harte kreditrestringierende Haltung des Zentralbankrates unterstütze ihn dabei – so erklärte Fritz Butschkau, der Präsident der deutschen Sparkassenorganisation, auf einer Tagung der rheinischen Sparkassen in Aachen. Butschkau richtete zugleich mahnende Worte an „inflationslüsterne“ Kreise und appellierte an die Bank deutscher Länder, hart zu bleiben. Gleichzeitig aber kritisierte er die allzu unelastische Handhabung der Diskontpolitik und forderte eine Herabsetzung des Geldzinses auf 4 v. H. von jetzt 6 v. H. „Die heutige Zinshöhe am Geldmarkt schwächt den Kapitalmarkt, weil Kapital infolge der hohen Sätze zur Zeit am Geldmarkt vagabundiert, ja sogar eine gewisse Kredithortung möglich und rentabel ist.“

Butschkau darf wohl aus zweierlei Gründen diese Kritik üben. Einmal zeigt die Entwicklung der Sparsummen eine gute Kurve nach oben. „Nicht aber in den Industriestädten mit gewerkschaftlich organisierten Arbeitern und hohen Lohnsummen“ fände das Sparen statt, „da wird viel zuviel in den täglichen Konsum gesteckt“, sondern da, wo Kleingewerbe, Handwerk und Kleinbürgertum überwiegen. Dieses Sparen von heute aber sei das Fundament der Wirtschaft von morgen, und hier heiße es schonen, pflegen, fördern. Und zum anderen darf sich. Butschkau gegen die starre Diskontpolitik wenden, weil er selbst Schrittmacher einer interessanten Elastizität im Sparkassenwesen ist.

Der Sparkassenpräsident hat nämlich in seinem speziellen Arbeitsbereich, in Nordrhein-Westfalen, eine Neuerung eingeführt: Ein PS, ein Prämiensparen. Sparen und Gewinnen in einem Topf ist die Parole, mit der man bereits gut ins Geschäft gekommen ist. Es handelt sich, kurz gesagt, um einen gewissen Toto. Jeder Sparer, der will, kauft sich dreizehn Wochenlang ein Los zu je 2 DM. Hiervon bleiben ihm 24 DM als Spargeld erhalten. Er bekommt aber keine Zinsen, sondern aus der gesamten Zinssumme aller solcher Einlagen werden bei je 60 000 Sparern 5672 Gewinne über 102 500 DM (im einzelnen bis zu 10 000 DM) dreimal im Jahr ausgelost. Jeder elfte Sparer hat eine Gewinnchance.

Der konservativ Denkende wird sagen: wenn die Sparkassen schon anfangen Toto zu spielen, dann muß es faul um sie stehen. Dieses Urteil ist sicherlich unzutreffend. Und darum darf wohl etwas anderes dazu gesagt werden: Für den kleinen Sparer ist der Zins zur Zeit wirklich uninteressant. Wenn er spart, dann, weil er auf die Dauer ein kleines bescheidenes Polster wiederbekommen möchte. Täglich liest er in den Zeitungen von Leuten, die hohe Totoquoten oder Lotteriegewinne erhalten, und auch er, von der Bombenlotterie getroffen, möchte mal „mit einem kleinen Ruck aus der ganzen Misere heraus“. Der Totoismus hat das deutsche Volk übermäßig stark ergriffen, wobei die Masse immer nur verliert. Hier aber bleibt jedem sein Spielkapital erhalten; es liegt sogar an bestrenommierter Stelle und bietet ihm doch zugleich eine Chance.

Die Sparkassen verbinden das Zeitübel des Spielens mit dem Nutzen des Volksvermögens und passen sich den Bedürfnissen der Gegenwart an. Sie erziehen aber zugleich wieder zum Sparen und fördern damit eine der wichtigsten Voraussetzungen der deutschen Zukunft. Wir möchten doch meinen, daß man den Sparkassen auf ihrer Fahrt mit 1 PS – einigen Erfolg wünschen sollte und sehen in der Elastizität solcher Führung eine gegenwartsnahe Sparpolitik, die den Mut zur Massenerziehung und zur Fortbildung der

Methoden zeigt.