Die Arbeitsgemeinschaft der USA-Luftfahrt-Medizinschule hat in Verbindung mit Ärzten, Astrologen und Physikern, darunter dem Astrophysiker Dr. Heinz Haber und dem Luftfahrtmediziner Dr. Hubertus Strughold die Frage untersucht, ob Menschen die Erde verlassen und in die Stratosphäre vordringen können. Die Untersuchung ergab, daß es zwar möglich sein wird, Weltraumraketen abzusenden und sogar einen „künstlichen Satelliten“ zu errichten, der um die Erde kreist, daß die Menschen selbst jedoch an den Fahrten solcher Weltraumschiffe aus biologischen Gründen nicht teilnehmen können. Der Hamburger Biologe A. Gettkandt erläutert im nachfolgenden Beitrag diese Gründe.

Ob wir je bis zum Mond fliegen? Die Techniker sagen ja – die Biologen nein. Sollte sich jemals ein solches Raumschiff mit ohrenbetäubendem Gebrause in Bewegung setzen und versuchen, jene riesige Anfangsgeschwindigkeit zu erreichen, durch die allein es sich aus der Umklammerung und Anziehung der Erde lösen könnte, schon das würden die Passagiere nicht aushalten. Kann man schon bei den Düsenjägerpiloten bisweilen verzerrte Gesichter, das heißt Krämpfe in den Weichteilen: Backen, Halsmuskelpartien und so weiter feststellen, so wird es auf die Raumschiffbesatzung noch verstärkt zutreffen, wenn es nicht gelingt, in irgendeiner Weise diese „Sperre“ zu überbrücken.

Hinzu kommt, daß die Techniker eine häufige Drehung des gesamten Raumschiffes während der Fahrt voraussagen, mit der sie die etwaige Überhitzung des Innern auskompensieren wollen. Dieses dauernde Drehen wird aber, zusammen mit der rasenden Geschwindigkeit, auf die Gleichgewichtsorgane, die in direktem Kontakt mit dem Kleinhirn stehen, sehr nachteilig wirken. Unter dem dauernden Druck des umgebenden Mediums werden die Mondfahrer zuerst leichten Kopfschmerz bekommen, schließlich aber so unerträgliche Qualen leiden, daß sie sich nur noch den Tod wünschen.

Eabei ist noch nicht einmal berücksichtigt, daß die allgemeine Körperkraft unter diesem dauernden Belastungsdruck sehr leiden wird. Natürlich – man kann den Körper mit Narkotika wieder aufpulvern. Alkohol wird sich allerdings wegen der später einsetzenden Ermüdung überhaupt nicht eignen, und da der dauernde Gebrauch von Pervitintabletten nicht ungefährlich ist, werden auch sie nicht in Frage kommen. Bleibt also der Bohnenkaffee. Tatsächlich verspürt ja jeder Mensch eine belebende Wirkung nach einer guten Tasse Kaffee und setzt infolgedessen das Trinken fort. In Wirklichkeit ist diese scheinbare Aufpulverung eine Täuschung. Schon nach einigen Tassen Kaffee lassen die Leistungen des Menschen nach, die Aufpulverung geht in einen Erregungszustand über.

Aber auch wenn die Techniker all diese Schwächen noch für überwindbar halten, so muß vom biologischen Blickpunkt aus die Weltraumfahrt aus noch anderen Gründen zur Todesfahrt werden:

Zu Beginn des Krieges befand ich mich im hohen Norden und dort fesselten ein paar Ziegen meine Aufmerksamkeit. Sie waren dackelbeinig, stark von Rachitis mitgenommen und lebten schlecht und recht bis zu ihrer Schlachtung. Bei der Schlachtung aber stellte sich eine völlige Verseuchung der Lunge mit Tuberkeln heraus. Das war an sich noch nicht erstaunlich, denn auch die Menschen dort oben sind anfällig für Tuberkulose. Man erklärte dazu: die lange Polarnacht rufe eine körperliche Schwächung hervor und die habe dann oft die Tbc zur Folge. Mit dieser Erklärung habe ich mich nicht abfinden können. Denn die Schädigungen, die ich eben beschrieb, stellte ich in Regionen fest, die unter einem häufigen Nordlichtschauer gestanden hatten.

Als vor Jahren Piccard bis siebzehn Kilometer in die Stratosphäre stieg, hat er uns nichts, darüber aussagen können, ob irgendwelche gesundheitlichen Schäden bei ihm hervorgerufen wurden. Er jammerte nur über den völligen Ausfall seiner Instrumente durch Elektronenbeschuß. Auch bei unbemannten Raketen, die man in die Stratosphäre schickte, konnte man hinterher feststellen, daß eine sehr starke Elektroneneinstrahlung auf die Raketen niedergeprasselt war. Solche Elektronenstrahlen enthält aber auch das Nordlicht, während in unseren Regionen der größte Teil von ihnen durch die umgebende Lufthülle absorbiert wird. In die Elektronenstrahlen aber fährt das Raumschiff, in Strahlen, die durch das organische Gewebe hindurchschlagen werden und – wie etwa das Ultraviolett der Sonne – die Organe des Körpers bis zur Unkenntlichkeit zerfetzen werden. Gerade die Oberfläche des Mondes ist diesen Strahlungen schutzlos ausgesetzt.