Der Zwiespalt unserer politischen Welt knotet nicht nur private Konflikte – auf erregende Weise nuanciert er sie auch neu. Das Thema: Ehe auf Zeit als Mittel zu sekundären Zwecken, steht sofort extra muros, wenn diese Ehe als Mittel zum Zweck der Freiheit geschlossen wird. Christa-Maria Piontek und Paul Hühnerfeld, deren Hörspiele – zuletzt „Nenn es Verrat“ – mehrfach schon Nöte unserer Gegenwart aufgriffen, schrieben ein neues Spiel für den Funk, „Das Stück für nur 500 Mark“; ihre Absicht war, die Geschichte einer solchen Zweckehe als Einzelfall, dabei paradigmätisch, zu erzählen; ihre Methode, die Handlung ganz auf das Hörbare zu bauen – beides in einem gelang.

„Schau“platz: Berlin, die Stadt auf der Grenze, ein Markt, wo Menschen aus äußerem Zwang sich selber schwarz handeln. Der Student Werner muß Geld verdienen; Erika Schaller braucht den Zuzug nach Westdeutschland, um die Flucht ihres Verlobten aus Weimar vorzubereiten, doch sie bekommt ihn nicht. Sie erhielt die nötigen Papiere, wenn sie einen Westdeutschen heiratete ... Werner bietet ihr die Ehe an, als Geschäft für 500 Mark, schnellste Scheidung inbegriffen. Das Geschäft wird perfekt, aber die Kalkulation geht nicht auf –: Werner gewinnt seine „Frau“ lieb und verweigert die Trennung. In der Zeit, die ungenutzt verrinnt, wird der Verlobte verhaftet; Erika fährt nach Weimar heim. Werner ist einsamer als zuvor, denn inzwischen fand die Frau seines Professors, die ihn liebte, zu ihrem Mann zurück.

Nur der einen Gefahr setzten Piontek-Hühnerfeld sich aus, daß ein Nebenthema, das Verhältnis der Professorenfrau Marianne mit Werner, durch die erste Szene zu sehr betont, daß so das Interesse der Hörer zunächst übermäßig intra muros gelenkt wurde. Schwerer indes wiegen die Positiva: ein bis ans Ende durchgehend gesteigerter Ablauf, eine – in Deutschland ach so selten! – mikrophongerecht aufgelöste. Handlung. Selbst der oft geübten Einrahmung durch einen Erzähler wie auch den Rückblendungen wurden Reize abgewonnen. Daß die Szenen, die ohne Zwischenmusik Geschehen direkt gegen Geschehen setzten und so zum angespannten Hören zwangen, straff aneinander und doch prägnant unterschiedet kamen, ist dem Regisseur Gert Westphal zu danken. (Radio Bremen und Südwestfunk.)

E. P. Michalek