um siebenten Male konnten sich die Vertreter der beiden Nationalen Olympischen Komitees Deutschlands über die gemeinsame Beschickung der kommenden Olympischen Spiele nicht einig werden. Dr. Karl Ritter von Halt, der westdeutsche Präsident, reiste unverrichteter Dinge nach München zurück, Kurt Edel, der Leiter des ostzonalen Sport-Ausschusses verschwand, ohne etwas Positives mit nach Hause zu nehmen, wieder hinter dem Eisernen Vorgang.

Was soll also nun werden? Es ist nunmehr genug geredet worden. Die Vorbereitungen zur Entsendung der westdeutschen Olympia-Mannschaft sollten nicht mehr durch nutzlose Gespräche behindert werden. Das IOC müßte natürlich die Lausanner Entscheidung berichtigen: entweder die Ostzone zu den Spielen nicht zuzulassen (was sehr bedauerlich wäre) oder eben zwei Vertretungen anzuerkennen (was vom gesamtdeutschen Standpunkte aus ebenso traurig wäre). Aber ein Novum würde das nicht bedeuten. Finnland und Böhmen und Mähren hatten vor 1914 auch jeder einen eigenen Vertreter im IOC, wie beide Länder auch immer eigene Mannschaften zu den Spielen entsandten, obwohl Finnland eine russische Provinz war und Böhmen und Mähren der Doppelmonarchie zugehörte. Die olympische Selbständigkeit beider Länder nahm man vor 1914 als etwas ganz Natürliches hin.

Da im Augenblick offenbar niemand an dem trostlosen Dualismus in Deutschland etwas ändern kann, sollte man diesen ketzerischen Vorschlag schnell einer Prüfung unterziehen. Mit politischen Erwägungen hat das nicht das geringste zu tun. Man darf sich gegenseitig nicht zu viel von dem unterstellen, was man jeweils fürchtet und was wahrscheinlich gar nicht beabsichtigt ist. Hundert Meter kann man weder sedistisch noch demokratisch laufen, sondern nur schneller oder langsamer.

Aus Helsinki wurde gemeldet, daß jeder Teilnehmer an den Spielen einen Revers zu unterschreiben haben wird, daß er im Sinne der olympischen Regeln Amateur ist. Das ist natürlich auch nichts Neues, aber mulmig wird die Sache diesmal durch die vermutliche Teilnahme verschiedener Länder, die den Begriff, des Staatssportlers kennen. Ein Amateur darf weder Geldpreise angenommen haben, noch darf er sich irgendwelche anderen Zuwendungen in Gestalt von Geschenken, Belohnungen und dergleichen mehr haben machen lassen dürfen. Auch ist seine. Vorbereitungszeit in gemeinsamen Trainingslagern und der vielumstrittene Lohnausfall genauestens im Olympischen Statut geregelt. Hierbei aber hapert es überall, nicht nur bei den Staatssportlern. Schon eine militärische Beförderung nach einem großen Siege ist höchst anfechtbar (wie zum Beispiel die des Oberleutnants von Wangenheim zum Rittmeister 1936; dieser deutsche Offizier hatte trotz eines Schlüsselbeinbruchs die Vielseitigkeitsprüfung weiter mitgeritten und dadurch den Sieg für die deutsche Mannschaft gerettet). Rußland hat die Konsequenz bereits aus seinem Beitritt zum IOC gezogen und erklärt, daß der alte Brauch, jedem Athleten, der einen Welt- oder Landesrekord brechen konnte, Geldgeschenke zu machen, sofort gestoppt worden sei und man sich streng an die internationalen Bestimmungen halten werde. Was aber gedenken die anderen Länder zu tun und wie wird es mit dem Verdienstausfall, der in England bisher stets ersetzt wurde? Im Inselreich hofft man, daß es im IOC heute schon einige Leute gibt, die vernünftigen Erwägungen zugänglich sind und mit sich über die Gewährung eines kleinen finanziellen Zuschusses an Olympiateilnehmer, die den Lohnausfall sehr zu spüren haben werden, reden lassen ...

Papst Pius XII. hat vor kurzem anläßlich einer Audienz, die er den in Rom versammelten Vertretern der internationalen Sportpresse gewährte, das große Interesse der Kirche an gesundem Sport zum Ausdruck gebracht. Was die Kirchen verlangen, ist nur, daß man den Sonn- und Feiertag heiligt und jedermann Gelegenheit zum Besuch des Gottesdienstes gibt. Das will besagen, daß sportliche Veranstaltungen nicht gerade in die Zeit gelegt werden, da die Kirchen die Gläubigen rufen. Daß es geht, sah man am Totensonntag in Offenbach, an dem für die Fußballer kein Spielverbot bestand. Dennoch verlegte man auf Anregung der Evangelischen Kirche ein Oberliga-Punktspiel auf den Sonnabend und die Kirchenleitung dankte dem Fußballklub Kickers öffentlich für diese Haltung. Sollte ein solches Entgegenkommen nicht überall möglich sein? Walther F. Kleffel