DIE ZEIT

Dänische Reinigung

Die politische Rechtsprechung hat sich auch in Dänemark als eine vielköpfige Hydra erwiesen. Heute, nach mehr als sechs Jahren, ist die öffentliche Diskussion über das, was Kollaboration war, erbitterter denn je, obwohl der Reinigungsprozeß formal abgeschlossen ist.

Eine gute Stiftung

Der Bundespräsident hat zu einer Dankspende des deutschen Volkes aufgerufen. Dank – das ist ein Wort, das in einer Zeit, da man sonst nur von Bitten oder Forderungen hört, einen besonders guten Klang hat.

Austerity – kein Weg für Deutschland

Die Diskussion über einen deutschen Verteidigungsbeitrag hat in den Schlagzeilen der Presse oft zu grotesken Formulierungen, und, wie ich fürchte, auch zu einer gewissen Verwirrung der Geister geführt.

Das Schweigen Churchills

Wer an die Pariser Reise des Bundeskanzlers zu große Erwartungen geknüpft hatte, mußte sich enttäuscht sehen. Bei dem Besuch in London könnte es umgekehrt sein.

DIE WOCHE

In Paris hat ein Unterausschuß der UNO-Voll-Versammlung, der aus den drei Westmächten und der Sowjetunion besteht, unter dem Vorsitz des Präsidenten der Vollversammlung Luis Padilla Nervo mit Geheimbesprechungen zur Ausarbeitung eines Kompromisses zwischen den verschiedenen Abrüstungsvorschlägen begonnen.

Enttäuschung auch in England

Vertreter aller Parteien des englischen Parlaments haben sich in der vergangenen Woche im Ober- wie im Unterhaus negativ zur Europa-Politik geäußert.

Eleanor Roosevelt

Als Mrs. Anne Eleanor Roosevelt im April 1945 nach dem Tod ihres Gatten und Vetters fünften Grades in New York eintraf, um sich ein neues Heim zu suchen, wurde sie auf dem Zentralbahnhof von einer Gruppe Journalisten empfangen, die sie baten, doch kurz über ihre Zukunftspläne zu berichten.

Mißglückte Wiedergutmachung

Um den Namen Hans Rothe hat das Dritte Reich in dummer Hybris staatlicher Kulturpolitik einen Märtyrerkranz gelegt. Denn seine Shakespeare-Übersetzungen, die der „Reichsdramaturg“ den deutschen Bühnen verbot, wurden von der Literatur- und Theaterkritik zumindest für die poetischen Hauptwerke ohnedies abgelehnt.

Drei Heller Zehrgeld

Diesmal, geneigter Leser, beginnt es wieder mit einem Märchen der Brüder Grimm. „Sachse kommen durch die ganze Welt“, heißt es und hebt so an: „Es war einmal ein Mann, der verstand allerlei Künste; er diente im Krieg und hielt sich brav und tapfer, aber als der Krieg zu Ende war, bekam er den Abschied und drei Heller Zehrgeld auf den Weg.

Mutter oder Kind

Papst Pius XII. hat vor einigen Tagen abermals zu der Frage gesprochen, wie die katholischen Ärzte im Falle einer schwierigen Geburt vorzugehen haben, bei der das Leben der Mutter gefährdet ist.

Bedenklicher Paragraph

Im Zusammenhang mit dem Ermittlungsverfahren gegen den Journalisten Alfred Schulze, der vor einigen Tagen wegen Beamtenbestechung und Geheimnisverrat nach § 353c des Strafgesetzes in Untersuchungshaft genommen und inzwischen gegen Kaution wieder entlassen wurde, ist eine breite und aufgeregte Debatte über Presse- und Informationsfreiheit entstanden.

Was ist los in Korea?

Die in Kaesong geführten Gespräche über die Aufnahme der Waffenstillstandsverhand-Jungen haben am 10. Juli begonnen.........

Die Ehe für 500 Mark

Der Zwiespalt unserer politischen Welt knotet nicht nur private Konflikte – auf erregende Weise nuanciert er sie auch neu. Das Thema: Ehe auf Zeit als Mittel zu sekundären Zwecken, steht sofort extra muros, wenn diese Ehe als Mittel zum Zweck der Freiheit geschlossen wird.

Die erste Liebe

Der Film „Primanerinnen“ nach der Novelle „Ursula“ von Klaus Erich Boerner wurde in Hannover uraufgeführt. Der Autor des Drehbuchs Rolf Thiele hat allen unzuträglichen Ballast der Erzählung entschlossen beiseite geschoben und daraus eine moderne Geschichte einer ersten Liebe gemacht.

Intime Interna

Vom Innenminister darf man mit Recht eine genaue Kenntnis der Interna des Staatslebens voraussetzen; der Bundesminister des Inneren, Dr.

Zu gut gemeint

Schade, daß man der Autorin Renate Uhl ihr gutes Herz vorhalten muß. Denn dies verführt sie in ihren Dialogen zu mancher Plattheit und Sentimentalität: so war es in ihrem ersten Nachkriegsdrama „Um den Menschen wird noch gekämpft“, so ist’s wieder in ihrer weit anspruchsloseren Komödie „Penny“, uraufgeführt vom Jungen Theater in Hamburg.

Barlachs geistiges Testament

Das nachgelassene Drama „Der Graf von Ratzeburg von Ernst Barlach wurde an den Städtischen Bühnen Nürnberg-Fürth uraufgeführt“ Der Regisseur Heinz Joachim Klein, dem Verstorbenen in langjähriger Freundschaft verbunden, hat das wahrhaft ungeschlachte Werk dramaturgisch gründlich überholt: mit Kürzungen, Umstellungen und Ergänzungen.

Ihr guten Leute, geht...

Was sollen die düsteren Prognosen vom abgestorbenen Geist? Der Geist lebt, wenn auch nur im defizienten Modus des Volkshochschulgeistes.

Minus mal minus

Ehe Universitätsrektoren aus Amt und Würden scheiden, pflegen sie noch eine Rede zu halten. Sie sagin dann: „Herr Gouverneur, meine Herren Minister, etc.

Das Maß ist voll

Es geschah, daß zur Nachtstunde die Tür zum Arbeitszimmer eines Film- und Funkdichters sich leise öffnete. Der Film- und Funkdichter, ein Herr in den besten Jahren, hatte gerade begonnen, einen blanken Manuskriptbogen mit den Vokabeln seiner Begnadung zu bedecken.

Kleine Fische in großen Flüssen

Die Leierkästen plärrten, und die Stimmen der Marktschreier, die damals noch ohne Mikrophon die Massen betören mußten, überschlugen sich.

Theater oder Klassiker-Museum

Das Burgtheater hat sich langsam auf das Klassiker-Schultheater spezialisiert. Gewiß soll man die bedeutenden Werke der Vergangenheit pflegen; aber so, wie in der Comédie française: in Inszenierungen, die uns die ewige Gültigkeit der großen Dramatiker demonstrieren.

Das erste „große“ Unternehmertreffen

An dieser Stelle ist schon des öfteren davon die Rede gewesen, wie wichtig es ist, daß das Unternehmertum aktiver wird und fester zusammenrückt, um ein aktionsfähiger Partner der straff organisierten und mächtigen Gewerkschaft zu werden.

Bauen könnte billiger sein, wenn...

Nach einer alten Faustregel entfallen die Kosten für einen Bau zu etwa je einem Drittel auf Lohnkonto, Materialkosten und den Sammelposten „Regie“.

Die große Alternative in der Lohnpolitik

Wenn sich die wirtschaftlichen und sozialen Beziehungen zwischen Unternehmern und Arbeitnehmern getreu der vielfach durchexerzierten nationalökonomischen „Modell“-Betrachtung regeln würden – dann wäre wohl der auf der Kölner Jahresversammlung der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände von Hauptgeschäftsführer Dr.

Buna-Männer wieder am Werk

Nach mehr als dreijähriger Pause läuft in Westdeutschland wieder das Bunaband. Es ist nur eine kleine Prise, die der Bundesrepublik zugebilligt wurde, mit 500 t im Monat oder 6000 t im Jahr (gegen einst 170 000 bis 180 000 t).

Föderalismus bei IG- Entflechtung?

In der Wirtschaftspresse ist die Entflechtung der I. G. Farbenindustrie ein beliebtes Thema geworden. Bis jetzt wurde diese Angelegenheit, die in das gesamte Wirtschaftsleben der Bundesrepublik eingreift, sachlich diskutiert – wobei man feststellen konnte, daß die Konzeptionen der Alliierten, mit mehr Entgegenkommen behandelt wurden, als mitunter, wirtschaftlich tragbar erschien.

Butschkau mit seinem „PS“

Bundesfinanzminister Schäffer sei dank seiner festen Steuerpolitik der Bürge des neuen deutschen Spargroschens, und die harte kreditrestringierende Haltung des Zentralbankrates unterstütze ihn dabei – so erklärte Fritz Butschkau, der Präsident der deutschen Sparkassenorganisation, auf einer Tagung der rheinischen Sparkassen in Aachen.

Arbeitgeber tagten in Köln

Die Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände hat sich auf ihrer repräsentativen Mitgliederversammlung in Köln – in Anwesenheit von Bundespräsident Prof.

Deutsche Zeitung in Chile

Mit Unterstützung der deutschen, österreichischen, ungarischen, schweizerischen und baltischen Bevölkerungsgruppen wurde in Chile (Santiago, Casilla 1996) für die 120 000 Deutschsprechenden des Landes unter dem Titel „Die Brücke“ wieder eine deutsche Zeitung ins Leben gerufen.

Neuerscheinungen für die Wirtschaft

Kürzlich erschien in der Friedr. Vieweg & Sohn Verlagsbuchhandlung in Braunschweig die 14. vollständig umgearbeitete und ergänzte Auflage der „Anorganische Chemie“, bearbeitet von Prof.

Neue Produktion

Die Fernseh-Geräteproduktion der Philips GmbH. Anläßlich der Feier des 25jährigen Jubiläums der Deutschen Philips GmbH, in Hamburg wurde mitgeteilt, daß das Unternehmen bis Ende dieses Jahres 3000 Fernseh-Tischempfänger fertigstellen und die Serienproduktion der Fernseh-Projektionstruhe vorbereiten will.

In Lourdes begann es

Im Jahre 1903 machte der französische Autor Carrel – später weltberühmt geworden durch sein Buch „Der Mensch, das unbekannte Wesen“ – eine Reise nach Lourdes.

Leuchtende Splitter der Wahrheit

„Anekdoten“, so heißt es in einer der Skizzen dieses neuen Bandes kurzer Prosastücke, „obliegt nicht die Aufgabe, komplett wahr, sondern nur die, so leuchtkräftig zu sein, als sei in ihre Erfindung ein glänzendes Splittereben der Wahrheit eingefaßt.

Judith und der Kommissar

Die Welt außerhalb des Eisernen Vorhanges verdankt dem Exkommunisten Koestler die entscheidenden Erkenntnisse über die unheimliche und fast unwiderstehliche Prägekraft, mit der das Sowjetsystem seine Funktionäre zu Figuren formt, die sich, des Selbstbewußtseins und der Scham beraubt, auf dem strategischen Schachbrett der Weltrevolution hin und her bewegen lassen.

Vor und nach dem Glauben

Der eine ist ein „Schriftsteller“, der andere ist keiner – Dichter sind sie beide. Graham Greene ist ein Autor, für den die Sprache und das Schreiben Mittel zur Verkündung jenes Wunders geworden sind, das dem Menschen Greene begegnet ist: Die Existenz Gottes inmitten der diesseitigen Welt.

Die Gerechtigkeit wartet

Obwohl man bei uns in Deutschland noch nichts von Halldor Laxness wußte, ehe jetzt seine während des Krieges geschriebene Romantrilogie „Islandglocke“ erschien, ist man geneigt, ihm gleich einen Platz unter den großen Epikern der Weltliteratur einzuräumen.

Kollektion aus Frankreich

In diesem Jahr ist der deutsche Roman wieder wesentlich geworden und hat ein eigenes Gesicht bekommen. Wahrhaftigkeit, Selbstkritik, energisches Fragen nach den Wurzeln von Schuld und Sünde, Mitleid mit dem auf sich gestellten Menschen kennzeichnen ihn.

Feuerflüssiger Strom

Lovry gehört zu jener kleinen Schar orignalschöpferischer amerikanischer Epiker, die so sehr von ihrem erzählerischen Dämon besessen sind, daß man auf sie mit Recht schon mehrfach das indische Sprichwort angewendet hat: „Wer einen Tiger reitet, kann nicht mehr absteigen.

Für Weihnachten und Neujahr

Die kundig und verständnisvoll vorgenommene Auswahl von weihnachtlichen Texten ist als Unterlage für die Programmgestaltung von Advents- und Weihnachtsfeiern gedacht und erfüllt diesen Zweck vortrefflich.

Mit den Augen der Frau

Eine neue deutsche Erzählerin wird vorgestellt: Die Handlung spielt zwischen Deutschland und Frankreich, auch das Thema ist aus den Mentalitäten beider Völker entwickelt, Aufbau und Diktion knüpfen an französische Erzählweise moderner französischer Romane an.

Das Gute liegt so nah

Die internationale Münchner Jugendbuchtagung ließ einen gewissen Pessimismus im Hinblick auf die deutsche Produktion spüren; wie weit er berechtigt ist, wird erst das Weihnachtsgeschäft ergeben.

Schwarz-weiß schattiert

Ein Mädchen von Martinique hat sein bisheriges Leben gebeichtet. Nichts Besonderes widerfuhr ihm. Da dieses Mädchen Mayotte aber die erste farbige Frau der Antillen ist, die sich der Welt als Schriftstellerin vorstellt und für ihr schmales Erstlingswerk auch gleich zwei Preise einheimsen konnte, erwartet man nicht umsonst einen literarischen Bonbon.

Held nach dem Tode

Der Sproß einer alten englischen Offiziersfamilie ersehnt nichts heißer, als selbst für sein Vaterland zu kämpfen. Aber das Schicksal hat.

Fremde wandeln im Serail

Man glaubt Istanbul die Museen nicht. Ja, wer in Florenz oder Paris einkehrt, der weiß: die Galerie im Palazzo Pitti, die Uffizien, der Louvre, das Rodinmuseum, das sind Städte in der Stadt.

Anruf der Schönheit

Wenn ein Pariser Couturier über die Kunst sich anzuziehen spricht, wird man hinhören. Maggy Rouff gibt in ihrem Lebensbericht „Philosophie der Eleganz“, der jetzt auch in deutscher Sprache im Prestel-Verlag München (mit glücklich ergänzenden Tuschzeichnungen des Münchener Malers Conrad Westphal) herausgekommen ist, mit blitzendem Charme und liebenswürdiger Leichtigkeit temperamentvolle Anleitungen zum guten Geschmack.

Drei Nasenlöcher

Der Italiener liebt die Witzblätter. Eine der intelligentesten unter den vielen ausgezeichneten humoristischen und satirischen Zeitungen ist der „Candido“.

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